Die beiden setzten sich langsam nebeneinander, und Lars fuhr sich mit der Hand über die Stirn und weit über die kurzen Haare hin.
„Also dein Vater sagt mir, Miete, daß Lars dich heiraten will und selbstverständlich in unsern Stand zurückkehrt und sich für die Arbeit bei Herrn Tiensen vorbereiten will. Eine lange Warterei wird das ja geben, und gerade keine besonders feine Stellung für dich. Aber lieber als diese Wirtschaft hier zwischen euch ist mir diese Heirat dann schließlich auch noch und —“
„Tante Jette,“ sagte da Lars auf einmal, und er war wieder ganz blaß geworden, „Onkel Gust hat mich ganz falsch verstanden. Wenn mich Miete lieb hat, wird ihr wohl jeder Stand recht sein. Es kann ja vielleicht Mittel und Wege geben, daß ich mich irgendwie weiterbilde und heraufarbeite, aber zu Herrn Tiensens Arbeit, — nie und nimmer. Hier ist bloß der Fischer!“ Er drehte sich zu Miete in seiner schwerfälligen Art. Und es stand auf seinem Gesicht wie ein rücksichtslos zorniges Fragen, aber auch etwas wie eine verhaltene Qual war in den gezogenen Linien.
Sie war fast zusammengefahren und tat einen Ruck von ihm fort. „Was, Fischerfrau?!“ sagte sie, „Lars, bist du verrückt?“ — Und sie lachte schrill auf, beinah, wie ihre Stimme manchmal als Kind geklungen hatte.
Tante Jettes Brust hob und senkte sich stürmisch mit dem dicken goldenen Locket. „Das wäre dir wohl recht, das kann ich wohl glauben. Eine kleine niedliche Frau und Geld dazu. Und dann deinen Wohltätern den Rücken kehren und womöglich gegen ihre Sache kämpfen. — Ich habe dir immer mißtraut, Lars Asmussen, und diese Tändelei mit meinem Kinde war mir ein Greuel.“
„Ach Mama, du verdirbst aber auch alles,“ sagte Miete feindlich.
„Ja, ja, das tut sie immer,“ sagte Herr Asmussen, der bei dem lauten Reden eingetreten war.
„Lars,“ und Miete kam zu ihm heran, so dicht, daß er ihren Atem weich auf seiner Backe spürte, „du hast mir doch versprochen, daß du etwas für mich tun würdest, — Lars?“ — Und sie hatte ihre weiche Hand auf seine harten braunen Finger gelegt.
Es war, als versänke etwas in ihm, daß es ihn wie eine körperliche Schwäche überkam und ihm zugleich den heißen Blutstrom ins Gehirn trieb.
„Lars,“ sagte Herrn Asmussens wohlwollende Stimme, „Lars, min Jung’ — bedenke, wie du vorher geredet hast, denk an die kleinen Leute, denke, wie ein Agitator in jeden Winkel kommt und alle Verhältnisse kennt. Welchen Einfluß wirst du haben, wieviel kannst du nützen?“