Auf einmal blieb er vor dem Knickloch stehen und sah auf die Koppel dahinter.
„Jetzt schon Kühe!“ sagte er. „Hoekskoppel“ nickte er vor sich hin. „Da kriechen die Küken auch eher aus dem Ei als bei andern Leuten.“
Er wollte eben weitergehen, da trat ein Mädchen von der andern Seite auf die Koppel. Sie ging zu den Kühen hin und sah kein einziges Mal vom Boden auf. Und die feinen, starren Schlehdornzweige, mit den weißen Blüten, standen hoch gegen die milde blaue Luft und dahinter stand Peter und sah auf das Mädchen hin. Und Peter hatte lange aufgehört zu pfeifen und der zufriedene Schimmer war nicht mehr in den Augen, sondern ein unruhiges Licht war darin; fast gequält blickten sie zwischen den Blüten hindurch auf das Mädchen. Das hatte sich ganz ruhig auf den Melkschemel gesetzt und war bald fertig mit der ersten Kuh.
Da machte Peter eine Bewegung, als wollte er auf die Koppel steigen, aber er zog die Brauen zusammen und blieb, wo er war. — Nun ging sie zur zweiten Kuh, aber Peter stand noch immer hinter den Schlehdornzweigen. Und das Gequälte in seinen Augen war noch stärker. Sie gab der letzten Kuh einen kleinen Stoß, daß sie weiter ging, und dann legte das Mädchen die Hände auf die Knie und den Kopf in die Hände und blieb so zusammengebeugt auf dem niederen Schemel, so wie zerdrückt von einer großen Last. Und der weiche Frühlingssonnenschein lag auf ihren hellen Haaren, daß sie gleißten, und über der Koppel lag der weiche warme Frühlingsfrieden.
Da seufzte Peter tief auf und trat auf die Koppel hinaus. Die Falte hatte er noch zwischen den Brauen, und in seinem aufrechten Gang lag es wie lauter Rechtlichkeit. — „Guten Tag, Dora,“ sagte er.
Da sah sie schnell zu ihm auf, und das Blut stieg ihr bis an die Haarwurzeln. „Guten Tag, Peter Lassen,“ sagte sie leise.
„Eine schöne Kuh,“ sagte Peter und klopfte der Roten auf den Rücken.
Dora aber sah ihm ins Gesicht mit einer großen Bangigkeit in den Augen und sagte kein Wort. — Da räusperte sich Peter und stützte sich mit dem Ellbogen gegen die Kuh. Aber er fand immer noch nicht die rechten Worte. Und hoch oben in der weichverschwimmenden Bläue zitterte die Luft vom hellen Lerchenjubel.
Da stand sie langsam auf und hob den Melkschemel vom Boden. „Dora,“ sagte Peter, „wart’ einmal. — Dora, es ist dir nicht so gut gegangen, du hättest mal lieber auf mich hören sollen. — Nun tust du das vielleicht eher, Dora,“ — er holte tief Atem und dann hastig: „wir wollen uns doch lieber heiraten jetzt.“