Da kam es ganz anders, als Peter dachte. Dora hatte sich aufgerichtet. Und mit einem Male war es wieder die große Helle, die vor ihm stand. Aus den Augen blitzte und flackerte es. „Ja, du hast recht, mir ist das schlecht gegangen, Peter Lassen, und ich bin jetzt so eine, mit der niemand mehr viel Umstände macht. Aber so demütig bin ich dabei doch nicht geworden, Peter Lassen, daß ich jeden Gnadenbissen annehme, den du mir hinwirfst.“ Sie nahm ihren Schemel unter den Arm und ging, und ihr Rock streifte die blühenden Margueriten. Dann blieb sie stehn und rief über die Schulter: „Wenn du das nächste Mal mit mir sprichst, vergiß nicht, daß du mir etwas abzubitten hast, Peter Lassen.“

Dann war sie fort, und Peter starrte ihr nach. — Er gab der Kuh einen zornigen Stoß und ging nach dem Fußsteig zurück. — „Es ist gut,“ dachte er, „nun habe ich getan, was ich mußte. — Die hätte nie zu unsereins gepaßt. Weiß Gott, was Mutter gesagt hätte — und alle andern ordentlichen Leute. — Bewahre, was hätte der rote Trollsen und der alte Mazen gelacht. Und die jungen dummen Henigsens hätten sich gefreut.“ Und Peter sagte sich immer wieder, wie gut es sich traf, daß Dora Nielsen so unvernünftig war. — Aber er sah gar nicht vergnügt aus dabei, und alle Augenblicke blieb er stehen und sah sich um. Aber es war rein gar nichts zu sehn auf den sonnigen Koppeln, als nur glänzende rote Kühe.

Da ging er weiter, aber den Kopf hielt er ein wenig gebeugt.

Sie wußten nicht, was Peter hatte. Von denen zu Hause kam keiner mehr mit ihm zurecht. Er war viel schweigsamer als sonst, und wenn er sprach, war es, um irgend jemand anzufahren.

Lars rang und kämpfte selbst mit seiner großen Not. Aber er merkte doch, daß auf dem andern eine Last lag, und manchmal sah er ihn mit seinen tiefen Augen fragend an. Dann drehte Peter den Kopf zur Seite und begann zu pfeifen, aber er hörte bald wieder auf.

Und immer wieder sagte er sich, daß es gut wäre. Aber so wie die große Helle vor ihm gestanden hatte in der warmen Frühlingssonne, so stand sie ihm immer vor der Seele. Er wurde sie nicht los. Und er fing an, sich wieder und wieder die Worte zu sagen, die sie gesprochen hatte. Und er tat etwas, was Peter Lassen noch nie getan hatte, er versuchte, sich auszudenken, wie ihr zumute war, daß sie gerade diese Worte hätte sagen müssen, und ob sie Peter Lassen wohl nicht mehr leiden konnte. Und wenn er das dachte, dann zog sich sein Herz ganz fest zusammen, daß es war wie ein körperlicher Schmerz. Und auf einmal, an einem Sonntagmorgen, als er lange auf Klaas Klaaßens umgekehrtem Boot gesessen hatte und wunderliche neue Gedanken in ihm aufgedämmert waren und wieder versunken, da wußte er, wie Dora Nielsen zumute gewesen war, und Dora Nielsen tat ihm im innersten Herzen so bitter leid, daß er sich im Zorn mit der Faust aufs Knie schlug. Dann stand er auf und ging nach Hause.

Als ihn nach einer Weile die kleinere Schwester Lena fragte, wo er im guten Sonntagszeug hingehen wollte, fuhr er sie erschrecklich an und hätte sie beinahe geohrfeigt.

Auf dem Hoekhof fragte er mit bitterbösem Gesicht nach Dora Nielsen.

Die stattliche Hoektochter sah neugierig zum Fenster heraus, als er in den Kuhstall ging.

Dora war bei den Kälbern. Sie hatte etwas Weiches, Mütterliches, wie sie das trinkende Kalb streichelte. — Sie fuhr so stark zusammen, als sie Peter erblickte, daß das Kalb zur Seite sprang.