Peter stand vor ihr und drehte an seiner Mütze. Er sah zur Seite, und es war etwas Jungenhaftes an dem großen Menschen. „Verzeih mir die Ohrfeige,“ brachte er endlich mit seiner tiefen Stimme heraus.
Dora sah ihn groß an, sie zitterte ein wenig. — Da blickte er ihr fest ins Gesicht. Und in seinen guten Blauaugen stand etwas, daß Dora die Hände vors Gesicht schlug und laut aufweinte. „Ich bin’s nicht wert — ich bin’s ja nicht wert,“ schluchzte sie.
Da fühlte sie seine starken Arme um ihren Leib, und nun wußte die große Helle, daß sie endlich nach Hause gefunden hatte.
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Daß alles zwischen den beiden so gekommen war, dazu hatte Lars’ Erzählung damals im Boot mitgeholfen, das wußte er. Eine kurze Zeit war ihm der Gedanke eine Art Trost. Aber die Qual der Sehnsucht blieb. Da flüchtete er sich immer mehr in die Arbeit. Und es gab jetzt gerade genug zu tun für die beiden Jungen. Jeder hatte in seiner eigenen Heimhütte schon eine Weile den Alten mit eigenen Gedanken zugesehen.
Hans Peter Lassen hatte ein Magenleiden und saß verfallen und schweigsamer als je in seinem kleinen Hause. Und seine Frau jammerte laut. So mußte Großvater allein hinausgehen. Mühsam drehte der alte Mann mit seiner Winde das Netz herauf, und sein Fang war jämmerlich gering. Aber er wollte selbstverdientes Brot essen, und er klagte nicht, wenn er nach der Arbeit ganz matt in sich zusammensank. Den Frauen hatten Lars und Peter nur mürrisch kurze Antworten gegeben, wenn die darauf zu sprechen kommen wollten. Aber Lars und Peter kamen doch zusammen und berieten, was zu tun sei. Die Jungen waren sich einig, daß keiner von den beiden Alten bei der harten Winterarbeit mehr aushalten könnte. Da hatten sie ausgemacht, daß Lars und Peter jeder in einem eigenen Boote hinausgehen und einen Mann zur Hilfe mitnehmen sollte, und der hatte dann geringeren Anteil am Verdienst. Großvaters altes Winterboot war nicht mehr viel wert. So mußte im Sommer ein neues Boot gebaut werden.
Mit dem Aalfang war es in dieser Zeit überhaupt nicht gut gewesen, so daß sie oft an einem Tage zweimal hinausmußten. Und in den Stunden, wo sie sonst schliefen, stand Lars und zimmerte und hämmerte an dem neuen Boot. Und wenn die Späne flogen und die Säge ächzte oder der Hammer dröhnte, dann wurde ihm wohler. Und wenn das heiße Sehnen in ihm aufstieg wie ein körperlicher Schmerz, dann ließ er das Holz kreischen und dröhnen, und fort und fort sagten ihm die Töne dasselbe: frei wollte er bleiben und unabhängig von den behaglichen, satten Leuten dort oben. Nach seiner Art, frei, frei. —
Als es gar zu lange währte, daß er sich nicht sehen ließ, kam Jakob Lind einmal den Strand entlang, wo Lars vor dem Feuer stand mit schwarzen Händen und beschmiertem Zeug.
„Die Arbeit ist der rechte Grund zum Bauen, hat Großvater gesagt, und da hat er recht. Laß mich man, Jakob Lind!“