**
*

Der nächste Sonntag, an dem es Jakob Lind erfuhr, war wieder ein klarer, stiller Frühsommertag, und er hatte mit seiner Frau und Karen einen Weg über Land gemacht. Die Nachmittagssonne lag über dem kleinen Landsee, und jeder Schilfhalm hob sich lautlos in den goldenen Frieden hinauf, nur die Libellen schwirrten durchs Schilf und setzten sich auf die großen, roten Blumen. Zwischen den Kastanienblättern fielen die goldenen Lichter bis auf den grünen Wassergrund, wo sich die wunderlichen Schlinggewächse wanden. — Und aus dem blauen Schatten glitten lautlose weiße Schwäne ins goldene Licht hinaus, und ihr weißes Gefieder schimmerte bläulich und gleißte wieder auf in goldig-weißem Schein. — Und aus der Hölzung träumte auf langgezogenen Sehnsuchtsklängen die Drossel und jauchzte wieder auf von goldenen Sonnenträumen, und manchmal — leise tief aus grüner Dämmerheimlichkeit rief lockend der Kuckuck ins Kinderland.

Auf dem Seeweg ging Jakob Lind, und an seinem Arme hing seine kleine Frau.

Karen war ein Stück zurückgeblieben. Hier und da beugte sie sich zum dunklen Wasser und brach die hohen, gelben Iris zum Strauße. Und die grüngoldenen Sonnenlichter tanzten über ihr helles Kleid.

Dann träumte sie in den märchenstillen Sonnenfrieden hinaus, und es war ihr, als ginge der große, ernste Fischer immer neben ihr, und als ob er etwas von ihr wollte. Was sollte sie tun? Was sie war, gehörte ihm; ihr schien, das war von immerher sein Recht. War denn eine Zeit gewesen, wo sie ihn noch nicht kannte? Im tiefsten Seelengrunde hatte sie so wie ein Bild von seinem Wesen wohl immer schon geträumt. Denn wie verstand sie sonst, bis in ihr innerstes Empfinden, die ernste, grüblerische Art und diese Kraft, die doch so schwer war zur frischen, starken Tat? Wer ihn aufrütteln durfte aus seinen Träumen! Hatte Gott ihr diese Seele in die Hände gelegt, weil sie allein sein innerstes Empfinden verstand?

Sie lehnte am gewunden-rötlichen Kastanienstamm und sah hinauf nach dem Mückenschwarm, der da im goldenen Strahle tanzte, und wieder war der helle Siegesschein in ihren weiten, klaren Augen.

Als sie in den Flecken kamen, sagte ihnen jemand, daß Lars Asmussen mit Trina Lassen versprochen sei. Da stampfte die kleine Frau Lind mit dem Fuße auf. „Das hat er nur getan, um die abscheuliche Miete zu ärgern, der dumme, dumme Mensch!“

„Ich fürchte, es war Feigheit,“ sagte Jakob Lind.

Aber Karen ging still weiter.