Kapitel XX
Der alte Klaas Klaaßen hat recht, es sind die Menschen, die einen Tüter[4] in die große, wunderbare Ordnung machen.
Manch einer ist geboren in so einer wunderlichen Nacht um Sonnenwend oder wenn die feine Mondsichel über die wachsenden Knospen wacht oder wenn der Vollmond dem scheidenden Jahre leuchtet. Da haben die tiefen Glocken im Grunde der Dinge heraufgeklungen und der Quell, der da unten verborgen aufwallt, hat gerauscht.
Der Mensch geht dann mit ernsten Augen über die Erde, und seine Ohren sind feiner als anderer Leute Gehör. Und wenn er still hält und aufhorcht, kommt ihm ein Ahnen von dem, wie es hätte sein sollen. — So ein feines, tastendes Fühlen ist es, wie es Kindern im Traume redet oder die Wandervögel durch die Lüfte führt oder die Flut zum Lande drängt. — Und er könnte weinen, wenn er den großen Tüter sieht, den die Menschen hineinbringen. Es ist, als triebe sie eine dunkle Macht, daß sie in die große Ordnung hineingreifen und ihr Gewebe zerreißen.
Aber so, wie die Natur selbst immer strebt, zu begleichen und mit Schönheit zu umhüllen, so strebt auch die Ordnung selbst, die Dinge in ihren Wohlklang zurückzubilden. Es fürchtet sich aber der Mensch oft vor ihrem Wege, denn er geht am öftesten durch die Nacht.
Hat eines ihrer Kinder aber im lärmenden Geklirr des Unverstandes ihre Stimme überhört und ist den falschen Weg gelaufen, — wenn er sich nur zu ihr hält, so bringt sie ihn immer wieder zurecht. An ihrem Faden muß er spinnen, wenn er es selber nicht glaubt. Und er kommt dennoch zum Ziel.
Lars hatte einen Tüter gemacht in sein Leben.
„Ich gehöre zu den schlichten, arbeitenden Leuten,“ sagte er zu Jakob Lind. „Da bin ich am Platz. Dies ist das Wahre im Leben, Jakob, was sich auf die Arbeit gründet. Das andere ist unecht.“
„Recht hast du, Lars Asmussen,“ sagte Jakob Lind, „aber du bist übers Ziel geschossen.“