Er suchte seine Freunde unter den einfachen Leuten, und die Linds mied er in dieser Zeit. Er sollte mit seiner Frau in einem neuen Hause ein wenig weiter ab vom Strande wohnen.

Das war das einzige Haus, das in der Nähe zu haben war, und vor dem Herbste, eh’ der Heringsfang wieder anfing, sollte geheiratet werden.

Mutter Lassen war eine tüchtige Frau, und Trinas Aussteuer lag schon lange sauber in der Lade. So konnte Lars es haben, wie er wollte.

Da war er gar nicht mehr zum Nachdenken gekommen. Am neuen Hause war noch manches zu tun, ehe er einziehen konnte, und das Boot war noch nicht ganz fertig. Auch hatten sie noch nicht alles wegen der Männer in Ordnung, die mit ihnen fischen sollten. Lars wollte gern Kords in sein Boot haben. Mit Kords Hand ging es besser, und er hatte seit fast einem Jahr auf der Werft gearbeitet.

Aber nun war er plötzlich nach Hause gekommen, ohne Geld und mit einer kranken Frau. Das wußte Lars, und er wollte ihn nun für seine Arbeit anwerben.

Die Arbeit war jetzt Lars’ einziger Gedanke. — Wie es in ihm selbst aussah, das wollte er nicht sehn. Er war sich dumpf bewußt, daß, wenn er anhielt im Schaffen und sich Zeit ließ, einmal hinein zu horchen in die eigene Seele, er da einen unerträglich brennenden Schmerz fand. Aber schon um Klein-Trinas willen wollte er sich einreden, daß er zufrieden sei. Es war auch wirklich wieder eine größere Sicherheit in Lars, seit er in sein Innerstes hineingeschnitten und Miete herausgerissen hatte. Indem er sich an Trina Lassen band, hatte er die Tür hinter sich verschlossen. Nun konnte er nie mehr zurück!

Er trat fest auf, wie ein Mann, der ein Ziel vor Augen hat. So ging er auch am Strande entlang nach Wanbyll, um mit Kords zu sprechen. Aber bei allem festen Schreiten lag es doch wie eine Wolke auf seiner Stirn und über seiner Seele wie ein dumpfer Traum. Auch in der grauen, schwülen Sommerluft war kein frischer Atem, der ihn aufweckte. Die See lag unheimlich still und schwarz. Nur an manchen Stellen glitzerte es silberig auf. Tief hinein spiegelten sich die scharf geformten Ufer, und greifbar nah lagen sie. In einer kleinen, einsamen Bucht zwischen kantigen, grauen Steinen war ein blendendes Geflatter weißer Möwenflügel. Das gellende Möwenschreien klang unheimlich über der lautlos harrenden Weite. Als Lars herankam, kreischten sie jäh auf, als sollte die große Stille in Stücke zerreißen, dann ein glitzerndes Gewoge, und sie waren fort.

Weiter draußen auf dem grauen Steine saß noch eine Möwe allein. Blendend weiß spiegelte sich ihr Bild im schwarzen Grunde.