Und wieder umhüllte die unheimliche Stille den schreitenden Mann wie ein finsterer Traum. Und es lag auch immerfort über ihm in dieser Zeit, als handle und rede er im Traum. Und er setzte die Füße gleichmäßig und sah gerade vor sich hin.

In Wanbyll am Strande zwischen den aufgehängten Fischnetzen stand Kords mit andern Männern.

Als er Lars sah, lachte er ihm hart entgegen. „Na, da bin ich wieder mit der kranken Frau und den brüllenden Gören.“

„Warum denn?“ fragte Lars.

„Na, ihr könnt das ja denn auch noch einmal hören,“ sagte Kords. „Das war nämlich so: Du weißt ja, daß ich schon immer zu den Genossen gehört habe. Na, da sollte das ja nun ordentlich vorwärts gehn mit der Arbeit dort unter all den Brüdern. Und bei dem guten Verdienst wollte ich auch ordentlich abbezahlen an den Schulden von der Krankheit her und dem Umzug.“ Er lachte wieder laut auf, und das grelle, gelbliche Gewitterlicht lag auf seinem harten, finsteren Gesicht. „Das ging ja auch ganz fein die erste Zeit. Dann mußten wir streiken, das machte ich gerne mit um der Sache willen, wenn’s mich auch zurück brachte. Dann kam aber bald wieder ein Streik und jetzt vor ein paar Wochen der dritte. Und ich sage dir, Lars Asmussen, das war ein Unsinn mit dem letzten Streik. Ich erkläre euch das nicht, das versteht ihr doch nicht. — Das habe ich den Führern auch gesagt: Das ist ein Unsinn, da mache ich nicht mit. Aber denkst du, sie hätten mich tun lassen, wie ich wollte? Nein, streiken sollte ich und mußte ich, und besonders die ganz jungen Grünschnäbel verlangten das am lautesten.“

„Na, da hatten die Kerls am Ende gar nicht so unrecht,“ meinte Lars bedächtig dazwischen. „Wenn du nun einmal eingetreten warst, mußtest du schon mitmachen. So mit den Brüdern und all den schönen Geschichten, wie du dir das denkst, so ist das ja wohl nirgends in der Welt. Das wäre fein, wenn man das so einrichten könnte. So lange ich aber immer nur merke, daß mich die fremden Führer an der Nase rumziehen, bleibe ich lieber mein eigener Herr. Und wenn du deine eigene Meinung behalten wolltest und ein freier Mann bleiben, warum bist du da überhaupt eingetreten?“

„Tünn nicht so, Lars, das verstehst du ja alles gar nicht. Ich hab’ mir auch keine Vorschriften machen lassen, nee, nun ging ich gerade zur Arbeit schon aus Trotz. Da wird mir auch noch die Frau krank, und ich muß den Doktor holen, und eine andere mußte ich bezahlen, die nach den kleinsten Würmern sieht. Und mit der kranken Frau und den kleinen Kindern, ich sage dir, Lars, ein Elend war’s. Na, ich komme den einen Morgen früh aus dem Hause, und es ist mir schon trübselig genug. Die Straße ist auch ganz still. Auf einmal saust da etwas aus einem Hausflur heraus und prallt mir gegen den Kopf, daß mir erst ganz düsig wird, und ich mich an die Wand lehnen muß. Dann merke ich, hat mir einer mit dem Stein den Kopf blutig geworfen. Ich reiße mich also hoch und in den Hausflur rein, aber der Kerl war schon durch den Hof und fort. Da konnte ich nach Hause gehn und mir das Blut abwaschen und im Bett liegen.“

Da standen die Männer eine Weile still und sahen über die See, und die unheimlichen weißen Wolkenarme langten immer höher herauf. Das Licht lag wechselnd scharf und wieder trübe über den wetterharten Gestalten und den knochig stillen Gesichtern.