„Na und die andern Verheirateten, was machen die denn?“ fragte Lars, „streiken die alle mit, wenn sie gut bei der Arbeit sind?“
„Aus Angst streiken sie, wenn sie sich noch so sehr ärgern, die Däsköpfe. Und die jungen Schreier ziehen dann fort, und sie sitzen da mit ihren heulenden Gören und den paar Gnadenpfennigen.“
„Warum sind sie so dumm und überlegen sich’s nicht vorher, was man da von ihnen verlangt. Laufen sie gleich mit, wenn ihnen ein fremder Kerl was vorschnackt. Wenn die ruhigen Leute alle zusammenhielten, dann müßte auch jeder seinen eigenen Weg gehen können, ohne sich weder von den Reichen noch von fremden Parteigeschichten herumkommandieren zu lassen.“
Lars stand sehr lang und hoch da und sah ein wenig über Kords weg, als er sprach. Da wurde es ganz dunkel auf Kords Stirn, und er fuhr auf: „Ich hab’ deine guten Lehren satt, Lars Asmussen, hast du das gehört?“ schrie er. „Ich bin übrigens gleich am nächsten Tage ausgetreten, und dann bin ich mit der kranken Frau und den brüllenden Gören nach Hause gereist, ob sie alle wollten oder nicht. In dem verfluchten Nest bleibe ich nicht. Hol’ sie alle der Teufel mit ihrem Zukunftsstaat!“
„Ja, und die Frau wäre beinah dran gestorben, und Geld hat er nun auch keins,“ sagte Christen Matthies mit seiner schleppend traurigen Art.
Kords wollte wieder auffahren, aber Lars fing bedächtig an von seinem Boot zu reden und Kords anzuwerben für die Winterarbeit. Kords aber hatte weder Boot noch Netze und brauchte Arbeit. Darum wurde er still und grunzte nur noch zustimmend. Und dann schwiegen die Männer alle wieder und sahen über See. Und als der erste Regen fiel, da gingen sie in Kords elende Hütte, wo beinah gar nichts stand als das Bett mit der kranken Frau, denn alle guten Möbel hatten sie versetzen müssen. Die schmutzigen Kinder jagte er vor die Tür. Und dann machten sie alles fest ab miteinander.
Für Christen Matthies hatte Lars einen Auftrag von Peter Lassen. Christen Matthies aber sah vor sich hin und sagte, er müßte sich’s erst überlegen.
Zwei große, starke Söhne waren vor ihm hingestorben, und er hatte noch mehr Trauriges erlebt. Davon waren seine Haare frühzeitig weiß und seine Art langsam geworden, als lohne es sich nicht der Mühe. Er arbeitete aber still und fleißig, und seine alte Frau ging mit hinaus und half ihm beim Fischen.
Als sie zu Ende waren, hatte auch der Regen aufgehört, und die Männer traten mit Lars heraus. Die Sonne war hinter den Wolken im Sinken und zwischen den finstern Schichten hervor fiel ein blutroter Schein über das dunkle Wasser, daß es tiefblau schien neben der breiten, roten Straße. Scharf und hell standen drüben die Türme der Stadt gegen den Himmel.
„Du hast das schon weit gebracht, Lars, für deine Jahre. Du kannst mir helfen, daß wir denen da drüben was antun für ihre Niedertracht,“ sagte Kords und drohte mit der Faust über das Wasser nach der Stadt hin. Der rote Trollsen stand auch dabei und lachte laut auf.