Erst ging er zu Dora hinüber, und die Helle machte nicht viel Umstände. Sie klopfte Peter aus dem behaglichen Wandbett heraus, in dem er seit einer halben Stunde schnarchte. Die kleine Schwester, die jetzt bei ihnen wohnte, holte eben Milch drüben auf dem Hoekhof. — Darum hieß sie Peter auf die drei Kinder achten. Dem Säugling gab sie noch zu trinken, dann ging sie zu Trina Asmussen.

Lars hatte den Arzt geholt.

„Das ist der Typhus,“ sagte der Arzt; „die Gegend hier herum ist verseucht.“

Sie konnten nicht viel für sie tun, Helle-Dora und Lars, so gut sie es auch meinten. Klein-Trina lag meist dumpf und stumpf und verlangte nur nach Ruhe für ihren schmerzenden Kopf.

Später kamen Nächte, wo sie sich in heißer Unrast wälzte und aus der Dunkelheit ein namenloses Fürchten stieg. Nur wenn sie Lars’ große, stille Hand hielt, dann überkam es sie wie Ruhe.

So saß er denn halbe Nächte lang bei der abgezehrten Kranken, und sein unbewegliches Gesicht schimmerte wie gemeißelt in der fahlen, nordischen Dämmerung, die zum Fenster hereinsah. Und sie achteten beide auf die unheimlichen Geräusche der Nacht, und der dunkle Todesengel hielt hinter ihnen Wache.

Wundersame Dinge waren es, die Trina sah auf der dunklen Straße zwischen Leben und Tod. Und Klein-Trina, die Ängstliche, — in den feierlichen Nachtstunden, da fand sie den Mut und sagte ihrem Manne davon. Und wenn Lars nicht ihre Hand hielt, dann faltete er manchmal die schweren, harten Finger.

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Eines Tages sagte ihnen der Arzt, daß die Gefahr vorüber sei. Da lachte Helle-Dora über das ganze Gesicht, und aus Lars’ unbeweglichen Zügen schimmerten die Augen auf, als sei irgendwo in seiner Seele ein Licht angezündet worden. Er hatte vieles gut zu machen, der lange Lars Asmussen, nun sollte die Zeit kommen.

Trina war sehr still gewesen in der Krankheit, aber nun begann sie viel zu sprechen. Helle-Dora setzte sich zu ihr aufs Bett, aber wie sie sich auch zu ihr beugte, sie konnte sie nicht verstehen.