Aber in der Hinterstube auf Großvaters Fensterplatz saß Mutter Stina, und bei ihr ganz still der kleine Klaus am Boden. Und ganz langsam tropften die Tränen aus Mutter Stinas alten Augen.

Zum Fenster herein kam das helle Gejubel des Rotkehlchens.

Kapitel XXIII

Von da ab wurde es besser mit Trina, und Lars konnte wieder auf Arbeit gehen. Aber ganz allein konnte sie doch nicht bleiben, darum zog ihre Mutter zu ihr. Hans Peter Lassen war schon vor ein paar Jahren gestorben. — Kurz vor Großvaters Tod hatte ihn der Schlag gerührt. Frau Lassen war froh, daß sie eine Unterkunft fand, und zog willig in Larsens Haus. Aber Frau Lassen war eine laute, fast herrische Frau, und im Alter war sie schwatzhaft geworden.

Und das laute, breite Lachen seiner Frau, und das harte, zänkische Geplapper der Mutter umgaben Lars wie eine unerträgliche Qual.

Und Jakob wußte, wie es um ihn stand, und kam und sah nach ihm, wenn er Zeit hatte, und Frau Lind und Karen begleiteten ihn manchmal. Meist gingen sie am Strand entlang und versuchten, ihn zu treffen, wenn er dort allein an seinen Netzen arbeitete. Er wandte sich kaum nach ihnen um und hantierte an seiner Arbeit weiter mit seinen schweren großen Bewegungen. Frau Lind meinte dann wohl, sie sei ihm zur Last, und setzte ihren Weg fort, aber Jakob und Karen ließen sich von seiner mürrischen Art nicht stören.

Meist gab er nur kurze Antworten auf das, was sie ihn fragten. Aber einmal, als Frau Lind wieder vorausgegangen war und Karen bei ihm stehen blieb, fast unbeholfen, aber mit einem ernsten geraden Blick des Mitleids in den hellen Augen, da fing er an, vor sich hinzureden, immer, ohne sie anzusehen dabei. Sie hatten gerade von seiner Arbeit gesprochen, und er packte fast wütend in seine Netze hinein, während er sprach.

„Es ist eben alles grundfalsch,“ sagte er. „Ich hätte zupacken sollen und meinen eigenen Weg gehen und mich um die andern nicht scheren. Was können sie mir jetzt helfen! Wäre ich auf die Werft gegangen, so hätte ich es nun vielleicht zu etwas Tüchtigem gebracht. So ist bald alle Freudigkeit aus mir herausgequetscht, und ich bin zu nichts mehr gut!“

Sie stand ganz still hinter ihm, und er schaffte wieder weiter mit schweren, zornigen Bewegungen. Dann sagte sie stockend und so, als mache es ihr Mühe, ihre innersten Gedanken laut auszusprechen: „Lars“, sagte sie, „Herr Lind hat neulich etwas gesagt, das glaube ich auch ganz fest. Wenn man einen höheren Berg hinauf soll, muß man allemal wieder ins Tal hinunter. Vielleicht kommt jetzt Ihr höherer Berg.“