(bitter)
Wer trank ihn? Des Lebens seltenste Erfüllung, erste Liebesumarmung bot man mir dar und entriß sie wieder meiner Sehnsucht? Diese erborgte Schönheit, die Falschheit, die mich umhüllt, sie werden von mir gleiten, wie Blüten im Wind entblättern, und die einzig sichtbare Erinnerung jener süßen Vereinigung mitnehmen, und voll Scham über seine Armut wird das Weib weinend sitzen — Tag und Nacht. Gott der Liebe, diese verfluchte äußere Gestalt begleitet mich Tag und Nacht, wie ein Dämon, und beraubt mich allen Liebeslohnes — all der Küsse, nach denen ich verschmachte.
Madana
Ach, umsonst war Deine einzige Nacht! Die Barke der Erfüllung kam in Sicht, aber die Wellen ließen sie das Ufer nicht berühren.
Chitra
Der Himmel war meinem Griff ganz nahe und ich vergaß für Augenblicke, daß ich ihn noch nicht erreicht hatte. Aber als ich des Morgens aus meinem Traum erwachte, fand ich im eigenen Körper die Rivalin. Nun ward mir die verhaßte Pflicht, sie täglich zu schmücken, zum Geliebten zu schicken und zu sehen, wie er sie liebkoste. O Gott, nimm Dein Geschenk zurück!
Madana
Aber wie willst Du vor Deinen Geliebten treten, wenn ich es von Dir nehme? Ist es nicht grausam, den Becher von seinen Lippen zu reißen, nachdem er kaum einen Zug der Lust getan? Wie ärgerlich wirst Du ihm sein?
Chitra
Und doch wäre es besser so. Ich will ihm meine wahrhaftige Gestalt zu erkennen geben, eine edlere Tat, als in dieser Maske zu leben. Wenn er mich auch verstößt und verschmäht, wenn er mein Herz auch bricht — schweigend will ich's tragen.