Vasanta

Ein grenzenloses Leben voller Ruhm kann blühen und sich erschöpfen an einem Morgen.

Madana

Wie Ewigkeits-Sinn im kleinsten Bruchteil eines Liedes sein kann.

Chitra

Die südliche Brise wiegte mich in Schlaf. Von dem blühenden [Malati-Hain] über mir tropften schweigend Küsse auf mich nieder. Jede Blume wählte sich ein Lager zum Sterben, in meinem Haar, auf meiner Brust oder meinen Füßen. Ich schlief. Und in der Tiefe meines Schlafes war mir plötzlich, als ob ein durchdringender, gieriger Blick meinen Körper berühre, wie der spitzige, stechende Finger der Flamme. Ich sprang auf und sah den Einsiedler vor mir stehen. Der Mond war westwärts gewandert und lugte durch die Blätter, um das Wunder zu sehen, das durch göttliche Kunst in zerbrechlicher Menschlichkeit erstanden war. Die Luft war schwer, duftgeschwängert, die Stille der Nacht klang vom Grillengezirp, regungslos lag das Spiegelbild der Bäume auf dem See. Und mit seinem Stab in der Hand stand der Einsiedler groß, aufrecht und schweigend wie ein Baum des Waldes. Mir war, da ich die Augen aufschlug, als sei ich abgeschieden von aller Wirklichkeit des Lebens, und es vollziehe sich an mir eine Wiedergeburt im Land der Träume. Scham fiel von mir und glitt wie ein gelöstes Gewand auf meine Füße nieder. Ich hörte seinen Schrei — »Geliebte, einzig Geliebte!« Und all' meine vergangenen, vergessenen Leben schmolzen zu einem und riefen ihm Antwort zu: »Nimm mich, nimm mich ganz zu eigen!« Und ich breitete meine Arme nach ihm aus. Der Mond sank hinter den Bäumen. Ein dunkler Vorhang bedeckte alles, Himmel und Erde, Zeit und Raum, Lust und Schmerz, Leben und Tod schmolzen in Eins in unsagbarer Verzückung.... Mit dem ersten Morgenstrahl, dem ersten Vogelzwitschern richtete ich mich auf und blieb, auf den linken Arm gestützt, sitzen. Der Einsiedler lag schlafend, ein unbekümmertes Lächeln krümmte sich um seine Lippen, wie der wachsende Mond am Morgen. Der Dämmerung rosiges Glühen fiel auf seine edle Stirn. Ich seufzte, stand auf und zog die breitblättrigen Lianen zusammen, um sein Gesicht vor der flutenden Sonne zu schützen. Ich schaute umher und sah die gleiche alte Erde. Ich erinnerte mich, was ich gewesen und rannte, rannte wie ein Reh, das seinen eigenen Schatten fürchtet, den Waldpfad entlang, den [Stephali-Blumen] bedeckten. Ich fand einen einsamen Winkel, setzte mich nieder, barg mein Gesicht in beiden Händen, um zu weinen und zu klagen. Doch meine Augen blieben tränenlos.

Madana

Weh über Dich, Tochter der Sterblichen! Ich stahl aus den göttlichen Speichern den duftenden Wein des Himmels, gab ihn, eine irdische Nacht gefüllt bis zum Rande, in Deine Hände, auf daß Du tränkest — und immer hör' ich noch diesen Schrei der Qual!

Chitra