IM TEMPEL

Chitra

Nein, unmöglich ist's den brennenden Blick der hungrigen Seele auszuhalten, der mit Händen dich umklammert, zu fühlen, wie das Herz sich müht, die Fesseln zu sprengen, und den wilden Schrei, der sich ihm entringen will — und den Liebenden dann hinweg zu senden wie einen Bettler! Unmöglich ist's!

(Madana und Vasanta treten auf.)

Ach, Gott der Liebe, welch furchtbares Feuer hast Du in mich gesenkt! Ich verbrenne, versenge, was ich berühre.

Madana

Ich wünsche zu wissen, was in vergangener Nacht geschah.

Chitra

Auf ein Lager von Gras, übersät mit Frühlingsblüten, legte ich mich am Abend nieder und gedachte des wunderbaren Lobgesangs meiner Schönheit, den ich von Arjuna gehört. Tropfen nach Tropfen trank ich den Honig, den ich am Tage gesammelt, Vergangenes und Zukünftiges war vergessen. Ich fühlte mich der Blume verwandt: ihr sind nur flüchtige Stunden vergönnt, dem summenden Schmeicheln, dem Flüstern und Murmeln der Wälder zu lauschen. Dann muß sie die Augen vom Himmel wenden, ihr Haupt beugen und ihren Atem aushauchen im Staub, klaglos den kurzen Traum eines vollkommenen Augenblicks beenden, der nicht Vergangenheit noch Zukunft kennt.