Ich werde Dich niemals richtig erkennen. Eine Göttin, verborgen in einem goldenen Heiligenbild scheinst Du mir. Ich kann Dich nicht berühren, ich kann Dir Deine unschätzbaren Gaben nicht vergelten. Und so bleibt meine Liebe unvollkommen. Aus der rätselhaften Tiefe Deiner traurigen Augen, aus Deinen spielerischen Worten, die ihre eigene Bedeutung verspotten, erhasche ich manchmal den Schimmer eines Wesens, das die schmachtende Anmut seines Körpers vernichten möchte. In der reinen Flamme des Leides, verborgen hinter des Lächelns zartem Schleier, sehnt es sich wieder zu erstehen. Ein Trugbild, erscheint uns die Wahrheit zuerst, in einer Verkleidung tritt sie vor den Geliebten hin. Aber es kommt eine Zeit, da sie Schleier und Schmuck abwirft und dasteht, bekleidet mit nackter Hoheit. Ich verzehre mich nach diesem letzten Du, nach jener einfachsten, wahrsten Klarheit. Was bedeuten die Tränen, mein Lieb? Warum verbirgst Du Dein Gesicht in den Händen? Hab ich Dir weh getan, mein Liebling? Vergiß, was ich sagte. Ich will mit der Gegenwart zufrieden sein. Wie der Vogel Geheimnis aus unsichtbarem, dunkelm Nest zu mir kommt, musikerfüllte Botschaft bringend, so komm Du zu mir und laß mich jeden Augenblick der Schönheit erleben. Laß mich und meine Hoffnung ewig am Ufer der Erfüllung sitzen und so meine Tage beschließen.

[NEUNTE SZENE]

IM WALD

Chitra

(in einen Mantel gehüllt.)

Mein Herr, hast Du den Becher bis zur Neige geleert? Ist dies wirklich das Ende? Nein, wenn alles getan, so bleibt doch noch Eins, mein letztes Opfer, das ich zu Deinen Füßen darbringe. Aus dem himmlischen Garten brachte ich Blumen von unvergleichlicher Schönheit, Dich zu ehren, Gott meines Herzens.

Ich will die Blumen aus dem Tempel hinauswerfen, wenn sie verwelkt sind und die heilige Handlung vorüber.

(Sie nimmt ihren Mantel ab und trägt Männerkleidung wie am Anfang.)