Chitra
Nur undeutlich vermag ich mich zu erinnern, was ich sagte, und was ich zur Antwort bekam. Heiß' mich nicht alles erzählen. Scham überwältigte mich wie ein Donnerschlag und konnte mich doch nicht zerschmettern, so durchaus hart bin ich, so männlich. Als ich heimwärts schritt, stachen mich seine letzten Worte wie glühende Nadeln ins Ohr: »Ich habe Keuschheit gelobt. Ich kann Dein Gemahl nicht sein!« O, um das Gelübde eines Mannes! Sicherlich weißt Du, o Gott der Liebe, daß zahllose Heilige und Weise den Preis ihrer lebenslangen Buße hingegeben haben um eines Weibes willen. Ich brach meinen Bogen entzwei und verbrannte meine Pfeile im Feuer. Ich haßte meinen starken, geschmeidigen Arm, gezeichnet vom Spannen des Bogens. O Liebe, Liebe, Du hast tief in den Staub gebeugt den nichtigen Stolz meiner männlichen Stärke, und all meine Manneszucht liegt zermalmt zu Deinen Füßen. Nun lehre mich Deine Gebote. Gib mir die Kraft der Schwachen und die Waffe der wehrlosen Hand.
Madana
Ich will Dein Freund sein. Ich will den weltenbezwingenden Arjuna vor Dein Angesicht bringen, ein Gefangener, der den Richtspruch seiner Empörung aus Deiner Hand empfangen soll.
Chitra
Stünde mir nur die Zeit zu Gebot, ich könnte allmählich sein Herz gewinnen und brauchte der Götter Hilfe nicht. Zur Seite würde ich ihm stehen als Gefährte, die wilden Rosse seines Kriegswagens lenken, die Freuden der Jagd mit ihm teilen. Zur Nacht hielt ich Wache am Eingang seines Zeltes und hülfe ihm, die großen Pflichten eines Kshatriya erfüllen, die Schwachen zu befreien und Recht zu sprechen, wo es not tut. Sicherlich käme der Tag, an dem er mich erblicken und verwundert fragen würde: »Wer ist dieser Knabe? Ist einer meiner Sklaven aus einem früheren Leben, meinen guten Taten gleich, mir gefolgt ins Diesseits?« Ich bin nicht das Weib, das seine Verzweiflung mit nächtlichen Tränen in einsamer Stille nährt, sie täglich hinter geduldigen Lächeln verbirgt, als Witwe geboren. Die Blüte meines Verlangens soll nicht in den Staub sinken, ehe sie zur Frucht gereift ist. Aber es ist die Arbeit eines Lebens, Verständnis zu finden und Ehre zu erlangen für sein eigenstes Ich. Darum bin ich an Deine Tür gekommen, Du, weltenüberwindende Liebe, und Du, Vasanta, jugendlicher Gott der Jahreszeiten, nimm von meinem jungen Körper die angeborene Ungerechtigkeit der Häßlichkeit. Für einen einzigen Tag mache mich wunderbar schön, so schön wie die mit einem Mal in meinem Herzen erblühte Liebe. Gib mir nur einen einzigen Tag makelloser Schönheit, und ich will einstehen für die Tage, die da kommen.
Madana
Prinzessin, Dein Gebet sei erhört!
Vasanta