Mein Gatte hatte die Vorstellung, daß wir auf diese Weise meiner Schwägerin den Trost verschaffen könnten, Herrin im Hause zu sein, und zugleich unserm Leben mehr Raum verschaffen würden, sich auszudehnen. Aber gerade hierin konnte ich ihm nicht zustimmen. Sie hatte mir das Leben zur Plage gemacht, sie mißgönnte meinem Gatten sein Glück, und dafür sollte sie jetzt belohnt werden! Und wenn wir nun eines Tages hierher zurückkehren wollten? Würde ich da den ersten Platz wiederbekommen?

»Was willst du mit dem ersten Platz?« pflegte mein Gatte zu sagen. »Gibt es denn nichts Wertvolleres im Leben?«

Die Männer verstehen solche Dinge nie. Sie haben ihre Nester draußen, sie kennen nicht die ganze Bedeutung des häuslichen Lebens. In diesen Dingen sollten sie der weiblichen Führung folgen. — So dachte ich damals.

Für mich war der Hauptpunkt der, daß man sein Recht vertreten müsse. Fortgehen und alles in den Händen des Feindes lassen, das wäre so gut wie das Eingeständnis einer Niederlage gewesen.

Aber warum zwang mein Gatte mich nicht, mit ihm nach Kalkutta zu gehen? Ich weiß den Grund. Er machte keinen Gebrauch von seiner Gewalt, gerade weil er sie hatte.

III

Wenn jemand nach und nach die Kluft zwischen Tag und Nacht ausfüllen wollte, so würde er eine Ewigkeit dazu brauchen. Aber die Sonne geht auf, und die Dunkelheit ist verscheucht — ein Augenblick genügt, einen unendlichen Abstand zu überwinden.

Eines Tages begann in Bengalen die neue Zeit der Swadeschi-Bewegung[9]; aber wie es dazu kam, davon hatten wir keine klare Vorstellung. Es war kein allmählicher Übergang von der Vergangenheit zur Gegenwart. Das ist, glaube ich, der Grund, warum die neue Epoche wie eine Flut über unser Land kam, die Deiche durchbrechend und all unsre Klugheit und Furcht mit sich fortreißend. Wir hatten nicht einmal Zeit, darüber nachzudenken oder zu begreifen, was geschehen war oder was geschehen sollte.

Mein Herz und meine Sinne, meine Hoffnungen und meine Wünsche flammten auf in der Leidenschaft dieser neuen Zeit. Wenn auch bis jetzt die Mauern des Heims, das meinem Geiste doch letzten Endes die Welt bedeutet hatte, noch nicht zerbrochen waren, so blickte ich doch über sie hinaus in die Weite und hörte vom fernen Horizonte her eine Stimme, deren Worte ich zwar nicht deutlich verstand, aber deren Ruf mir unmittelbar zum Herzen ging.