Eben noch habe ich ihn zum Raub aufgestachelt. Was ich nun auch dagegen sagen mag, nimmt er als weibliche Schwäche. Sie lieben unsre Schwäche nur, wenn sie die Welt in ihre Netze lockt!

»Du brauchst gar nichts zu tun, Amulja, ich werde das Geld schon schaffen«, sagte ich endlich zu ihm.

Als er im Begriff war, aus der Tür zu gehen, rief ich ihn zurück. »Amulja,« sagte ich, »ich bin deine ältere Schwester. Nach dem Kalender ist heute nicht der Brudertag[33], aber in Wahrheit sind alle Tage im Jahr Brudertage. Mein Segen sei mit dir! Möge Gott dich immer behüten!«

Diese unerwarteten Worte von meinen Lippen machten Amulja starr vor Überraschung. Er stand eine Weile regungslos da. Dann kam er zu sich. Und nun warf er sich vor mir nieder, als ein Zeichen, daß er meine Schwesterschaft annahm und mir als Bruder seine Ehrfurcht bezeugte. Als er sich erhob, waren seine Augen voll Tränen ... Ach, mein kleiner Bruder! Ich eile mit schnellen Schritten dem Tode zu, laß mich all deine Sünde mit mir nehmen! Möge deine Unschuld nie durch mich befleckt werden!

Ich sagte zu ihm: »Gib mir diese Pistole als Brudergeschenk!«

»Was wollen Sie damit, Schwester?«

»Ich will mich mit dem Tod vertraut machen.«

»Das ist recht, Schwester. Auch unsre Frauen müssen lernen, wie man stirbt und wie man tötet.« Und damit gab Amulja mir die Pistole.

Es war mir, als ob der Glanz seines jugendlichen Antlitzes mein Leben mit der Ahnung eines neuen Morgenlichtes überstrahlte. Ich steckte die Pistole zu mir. Möge dies Brudergeschenk die letzte Zuflucht in meiner Not sein...

Nun, da die Tür zu der Kammer der Mutter in meinem Frauenherzen einmal geöffnet war, glaubte ich, sie würde immer offenbleiben. Aber dieser Pfad zum Heil wurde versperrt, als die Herrin den Platz der Mutter einnahm und sie wieder schloß. Gleich am Tage darauf sah ich Sandip, und sofort tanzte der Wahnsinn unverhüllt und zügellos in meinem Herzen.