Was war dies? War dies nun mein wahreres Ich? Nein, niemals! Nie vorher hatte ich dieses schamlose, grausame Weib in mir gekannt. Der Schlangenbeschwörer war gekommen und hatte getan, als ob er diese Schlange aus den Falten meines Gewandes hervorzauberte, — aber sie war nie da, sie war die ganze Zeit bei ihm verborgen. Irgendein Dämon hat Besitz von mir ergriffen, und was ich heute tue, ist sein Spiel und Treiben — es hat nichts mit mir zu tun.

Dieser Dämon war an jenem Tage unter der Maske eines Gottes mit seiner roten Fackel zu mir gekommen und hatte gesagt: »Ich bin dein Land. Ich bin deine Leuchte[34]. Ich bin dir mehr als irgendeiner von den Deinen. Bande Mataram!« Und mit gefalteten Händen hatte ich geantwortet: »Du bist meine Religion. Du bist mein Himmel. Alles andere, was mein ist, soll von der Flut meiner Liebe zu dir hinweggefegt werden. Bande Mataram!«

Fünftausend sind es? Fünftausend sollen es sein! Morgen brauchst du sie? Morgen sollst du sie haben! In dieser rasenden Orgie soll dies Opfer von 5000 sein wie der Schaum auf dem Becher, und dann auf zum wilden Gelage! Die unbewegliche Welt soll unter unsern Füßen schwanken, Feuer soll aus unsern Augen sprühen, ein Sturm soll uns im Ohr heulen, und die Gestalten der Wirklichkeit und der Phantasie sollen durcheinander im Nebel vor unsern Blicken tanzen. Und dann wollen wir taumelnd in den Abgrund des Todes stürzen, — und in einem Augenblick wird alles Feuer erloschen, die Asche zerstreut sein, und nichts wird übrigbleiben.

Fußnoten:

[32] Der Schatzmeister ist der Beamte, der am meisten mit der weiblichen Gutsherrschaft in Berührung kommt, da er ihre Aufträge für den Haushalt entgegennimmt und ihre Einkäufe besorgt, und so gehört er mehr zur Familie als die andern.

[33] In bengalischen Häusern (vielleicht in Hinduhäusern überall in Indien) wird die Tochter des Hauses mit besonderer Liebe gehegt, weil sie nach dem Gebot der Sitte so früh verheiratet wird. So nimmt sie liebe Erinnerungen mit in das Heim ihres Gatten, wo sie als Fremde erst Wurzel fassen muß, bevor ihr die ihr gebührende Stellung zuteil wird. Das Gefühl, das somit die junge Frau ihrem alten Heim gegenüber bewahrt, kommt zum feierlichen Ausdruck an dem Brudertag, an dem die Brüder ins Haus ihrer verheirateten Schwester geladen werden. Ist die Schwester die ältere, so nimmt sie die Ehrfurchtsbezeugung ihrer Brüder entgegen und gibt ihnen ihren Segen, und umgekehrt. Bei der Gelegenheit werden Geschenke getauscht, die man als Gaben der Ehrfurcht oder des Segens bezeichnet. (Anm. d. engl. Übers.)

[34] Im Englischen: I am your Sandip. Das indische Wort sandipu bedeutend »flammend, leuchtend«. (Übers.)


NEUNTES KAPITEL