»Ich habe gerade Bruder Nikhil den Rat gegeben, sich um deinen Schutz zu bemühen«, fuhr sie spottend fort. »Ruf deine Schergen zurück, Räuberkönigin! Wir wollen deinem Bande Mataram Opfer bringen, wenn du uns nur rettest. Ist das eine Welt heute! Aber verschont um Gottes willen wenigstens unser Haus mit räuberischen Überfällen!«

Ich eilte, ohne zu antworten, in mein Zimmer. Ich hatte meinen Fuß auf Triebsand gesetzt und konnte ihn nun nicht zurückziehen. Wenn ich mich mühte, herauszukommen, würde ich nur noch tiefer versinken.

Wenn nur die Zeit kommen wollte, wo ich Sandip das Geld einhändigen könnte! Ich konnte es nicht länger ertragen, sein Gewicht zermalmte mich.

Es war noch früh, als ich Bescheid erhielt, daß Sandip mich erwartete. Heute dachte ich nicht daran, mich zu schmücken. So wie ich war, in meinen Schal gehüllt, eilte ich nach den äußeren Gemächern.

Als ich das Wohnzimmer betrat, fand ich Sandip und Amulja da beisammen. Es war, als ob meine ganze Würde, meine ganze Ehre von Kopf zu Fuß sausend durch meinen Körper fuhr und im Boden verschwand. Ich sollte jetzt vor den Augen dieses Knaben die äußerste Schande einer Frau bloßlegen! War es möglich, daß die beiden sich hier getroffen hatten, um über meine Tat zu sprechen? War denn kein Fetzen eines Schleiers geblieben, meine Schmach zu verhüllen?

Wir Frauen werden die Männer nie verstehen. Wenn sie sich einen Weg zu ihrem Ziel bahnen wollen, so macht es ihnen nichts, das Herz der Welt in Stücke zu brechen, um ihre Straße damit zu pflastern, damit ihr Siegeswagen leichter dahinrollt. Wenn sie von ihrem Schaffensdrang berauscht sind, zerstören sie mit Lust das, was der Schöpfer schuf. Diese Schande, die mir das Herz bricht, würdigen sie nicht einmal eines Blickes. Sie haben kein Gefühl für das Leben um sie her; ihr ganzes Verlangen geht auf ihr Ziel. Was bin ich ihnen anders als eine Wiesenblume auf dem Wege eines seine Ufer überflutenden Stromes?

Und welchen Nutzen wird meine Selbstvernichtung Sandip bringen? Nur 5000 Rupien? War ich denn nicht noch etwas mehr wert als 5000 Rupien? Ja, freilich! Hatte ich das nicht von Sandip selbst gelernt, und konnte ich nicht im Licht dieser Erkenntnis meine ganze übrige Welt verachten? Ich war die Spenderin von Licht, von Leben, von Schakti-Kraft, von Unsterblichkeit — in diesem Glauben, in dieser Freude hatte ich alle meine Schranken durchbrochen und war hinausgeeilt. Hätte irgend jemand mir nun diesen Glauben bestätigt, mein Tod wäre Leben für mich gewesen. Ich hätte nichts verloren, obgleich ich alles von mir geworfen hatte.

Soll ich jetzt glauben, daß dies alles Lüge war? Mußte die Lobeshymne, die sie mir so begeistert sangen, mich aus meinem Himmel herabrufen, nicht damit ich die Erde zum Himmel machte, sondern daß ich den Himmel selbst in den Staub herabzöge?

XVI

»Das Geld, Königin?« fragte Sandip, mich gespannt ansehend.