»Nun machst du mich aber böse, Bruder, wenn du so redest. Als ob ich mich nur beunruhigte, weil das Geld mir gehört! Wenn du dein Geld verlierst, glaubst du, daß mir das gleichgültig ist? Wenn das Schicksal mir auch alles genommen hat, so hat es mich doch nicht gefühllos gemacht für den Wert des treuesten Bruders, den es seit Lakschmans[35] Zeiten her gegeben hat.«

»Nun, Tschota Rani, bist du zu Stein geworden? Du hast noch kein Wort gesagt. Weißt du, Bruder, unsre Tschota Rani glaubt, ich wolle dir nur schmeicheln. Wenn es darauf ankäme, würde ich es schon tun, aber ich weiß, daß es bei meinem lieben alten Bruder nicht nötig ist.«

So plauderte die Bara Rani weiter und vergaß dabei nicht, ihren Bruder auf diesen oder jenen Leckerbissen unter den Gerichten, die serviert wurden, aufmerksam zu machen. Mein Kopf war die ganze Zeit in einem Wirbel. Die Krisis nahte schnell. Das Geld mußte irgendwie wieder an seinen Platz gebracht werden. Und während ich mein Hirn zermarterte, was geschehen könne und wie es geschehen könne, wurde mir das unaufhörliche Schwatzen meiner Schwägerin immer unerträglicher.

Und was alles noch schlimmer machte, war, daß nichts dem scharfen Blick meiner Schwägerin entgehen konnte. Immer wieder sah sie mich prüfend von der Seite an. Was sie auf meinem Gesicht lesen konnte, weiß ich nicht, aber es war mir, als ob alles nur zu deutlich darauf geschrieben stände.

Dann tat ich etwas ganz Tollkühnes. Ich zwang mich zu einem leichten, belustigten Lachen und sagte: »Ich sehe schon, daß der ganze Verdacht der Bara Rani auf mich geht — ihre Furcht vor Dieben und Räubern ist nur Verstellung.«

Die Bara Rani lächelte boshaft. »Du hast recht, Schwester. Der Diebstahl einer Frau ist der verhängnisvollste von allen Diebstählen. Aber wie kannst du meiner Wachsamkeit entgehen? Bin ich ein Mann, daß du mich täuschen könntest?«

»Wenn du mich so fürchtest,« entgegnete ich, »so laß mich dir alles, was ich besitze, als Sicherheitspfand zur Aufbewahrung geben. Wenn du dann etwas durch mich verlierst, so kannst du dich schadlos halten.«

»Nun höre einmal die kleine Einfalt«, wandte sie sich lachend an meinen Gatten. »Weiß sie denn nicht, daß es Verluste gibt, die sich nicht ersetzen lassen, weder in dieser Welt noch in einer andern?«

Mein Gatte mischte sich nicht in unser Wortgeplänkel. Als er fertig war, ging er nach den äußern Gemächern, denn jetzt hält er seine Mittagsruhe nicht mehr in unserm Zimmer.

Alle meine wertvolleren Juwelen waren auf dem Schatzamt in der Obhut des Schatzmeisters. Doch auch das, was ich bei mir hatte, mußte noch dreißig- bis vierzigtausend Rupien wert sein. Ich nahm meinen Schmuckkasten und brachte ihn der Bara Rani. »Ich lasse diese Juwelen bei dir, Schwester«, sagte ich, ihr den geöffneten Kasten hinhaltend. »Dann brauchst du dir keine Sorge zu machen.«