Die Bara Rani machte eine Bewegung, als wollte sie sagen, daß ich sie zur Verzweiflung brächte. »Ich weiß gar nicht, was ich von dir denken soll, Tschota Rani«, sagte sie. »Glaubst du denn im Ernst, ich habe schlaflose Nächte aus Angst, daß du mich beraubst?«

»Was wäre Schlimmes dabei, wenn du mir mißtrautest? Kann denn irgend jemand sagen, daß er irgend jemand in dieser Welt kenne?«

»Du willst mich beschämen, indem du mir Vertrauen schenkst? Nein, nein! Ich habe schon genug mit meinen eignen Schmucksachen zu hüten, ohne auch noch die deinen zu bewachen. Komm, sei vernünftig und nimm sie weg, es schnüffeln soviel Dienstboten herum.«

Ich ging aus dem Zimmer meiner Schwägerin geradeswegs nach dem Wohnzimmer draußen und ließ Amulja rufen. Mit ihm kam auch Sandip. Ich war in großer Hast und sagte zu Sandip: »Entschuldigen Sie, aber ich muß ein paar Worte mit Amulja reden. Möchten Sie...«

Sandip lächelte verägert. »Also ich gehöre nicht dazu, wenn Sie mit Amulja sprechen? Wenn Sie sich vorgenommen haben, ihn mir abspenstig zu machen, so muß ich mich wohl ohne weiteres darein ergeben, da ich dann doch keine Macht habe, ihn zurückzuhalten.«

Ich antwortete nicht, sondern wartete schweigend, daß er ginge.

»Gut denn«, fuhr Sandip fort. »Haben Sie Ihr tête-à-tête mit Amulja! Aber danach müssen Sie mir auch eins gewähren, sonst würde es eine Zurücksetzung für mich bedeuten. Ich kann alles ertragen, nur keine Zurücksetzung. Ich muß immer den Löwenanteil haben. Deswegen bin ich ja fortwährend mit der Vorsehung im Streit. Auch von ihr kann ich mir keine Zurücksetzung gefallen lassen.«

Mit einem vernichtenden Blick auf Amulja verließ Sandip das Zimmer.

»Amulja, mein lieber, guter kleiner Bruder, du mußt etwas für mich tun«, sagte ich.

»Was Sie mir auch auferlegen, Schwester, dafür werde ich mein Leben einsetzen.«