»Nun gut, sagen wir, du reist nach Kalkutta und ich begleite dich.«
»Ich habe dort nichts zu tun.«
»Um so mehr Grund, daß du reisest. Du hast hier zuviel zu tun.«
»Ich werde mich nicht von der Stelle rühren.«
»So werde ich Gewalt brauchen.«
»Gut, so werde ich gehen. Aber die Welt besteht nicht nur aus Kalkutta und deinen Besitzungen. Es gibt noch andere Orte auf der Landkarte.«
»Nach deinem bisherigen Verhalten hätte man kaum glauben sollen, daß es außerhalb meiner Besitzungen noch einen Platz in der Welt gäbe.«
Sandip erhob sich. »Es kommt bisweilen vor,« sagte er, »daß ein einziger Ort einem Menschen eine ganze Welt bedeutet. Mir bedeutete dieses Zimmer die Welt, darum war ich hier wie festgewachsen.«
Dann wandte er sich nach mir hin. »Niemand als Sie, Bienenkönigin, wird meine Worte verstehen, — vielleicht nicht einmal Sie. Ich grüße Sie. Mit Anbetung im Herzen verlasse ich Sie. Mein Losungswort ist ein andres geworden, seit ich Sie gesehen. Es lautet nicht mehr Bande Mataram, Heil dir, Mutter, sondern: Heil dir, Geliebte, Heil dir, Zauberin! Die Mutter verleiht uns ihren Schutz, die Geliebte reißt uns zum Untergang, — aber dieser Untergang ist süß. Du rufst den Tod, Geliebte, und er naht mit tanzenden Schritten, und mein Herz jauchzt beim Klirren seiner Fußspangen. Du hast mir, deinem Diener, das Bild gewandelt, das ich von unserm Bengalen hatte, — ›dem Land der sanften Brise, des klaren Wassers und der süßen Früchte‹[38]. Du hast kein Mitleid, meine Geliebte. Du kommst zu mir mit deinem Giftbecher, und ich werde ihn bis auf den letzten Tropfen leeren, um in Todesangst zu vergehen oder über den Tod zu triumphieren.«