Aber ich kann das Gesicht Amuljas nicht vergessen, so schön und strahlend in seiner Hingebung. Er wartete nicht verzweifelt den vernichtenden Schlag des Schicksals ab, sondern stürzte sich mutig mitten in die Gefahr. Auf ihn blicke ich voll Ehrfurcht in meinem Elend. Er ist mein Erlöser. Er nahm wie im Spiel die Last meiner Sünde auf seine Schultern. Er wollte mich retten indem er die Strafe, die mir bestimmt war, auf sein Haupt rief. Aber wie soll ich diese furchtbare Gnade meines Gottes ertragen?
O, mein Kind, mein Kind, ich neige mich vor dir. Mein kleiner Bruder, ich neige mich vor dir. Du bist rein, du bist schön, ich neige mich vor dir. Möchtest du in deiner nächsten Existenz als mein eigenes Kind in meine Arme kommen, — das ist mein Gebet.
XXII
Das Gerücht von dem Raubüberfall verbreitete sich nach allen Seiten. Die Polizei ging beständig ein und aus. Unsre Dienstboten waren in großer Aufregung.
Khema, mein Mädchen, kam und sagte: »Ach, Maharani, um des Himmels willen, bewahren Sie mir doch meine goldene Halskette und Armringe in Ihrem eisernen Geldschrank auf!« Wem sollte ich erklären, daß die Rani selbst dieses ganze Netz von Verwirrung gewoben und sich nun auch darin gefangen hatte? Ich mußte die Rolle der gütigen Beschützerin spielen und Khemas Schmucksachen und Thakos Ersparnisse in meine Obhut nehmen. Sogar die Milchfrau brachte einen Koffer in mein Zimmer, in dem ein Sari aus Benares und andre ihrer ihr wertvollen Habseligkeiten waren. »Ich bekam diese Sachen zu Ihrer Hochzeit«, erzählte sie mir.
Wenn man morgen meinen eisernen Geldschrank öffnet in Gegenwart dieser Frauen — Khema, Thako, die Milchfrau und all die andern ... Ich darf nicht daran denken! Ich will lieber versuchen, mir vorzustellen, wie es sein wird, wenn dieser dritte Magh[41] nach einem Jahre wiederkehrt.
Amulja schreibt, daß er erst spät am Abend kommen wird. Ich kann nicht so untätig allein mit meinen Gedanken bleiben, ich will ihm noch ein paar Kuchen backen. Ich habe schon eine ganze Menge gebacken, aber ich muß noch damit fortfahren. Wer wird sie essen? Ich werde sie unter die Dienstboten verteilen. Das muß ich noch heute abend tun. Heute abend läuft meine Frist ab. Das Morgen steht nicht mehr in meiner Hand.
Ich fuhr unermüdlich fort, einen Kuchen nach dem andern zu backen. Bisweilen kam es mir vor, als ob ich oben irgendwo in unsern Zimmern ein Geräusch hörte. Konnte es sein, daß mein Gatte den Schlüssel zum Geldschrank vermißt und die Bara Rani nun die Dienstboten zusammengerufen hatte, um suchen zu helfen? Nein, ich wollte nicht mehr hinhören; es war am besten, die Tür zu schließen.
Ich war eben im Begriff, es zu tun, als Thako keuchend hereingestürzt kam: »Maharani, o Maharani!«