So ist von Kindheit an bis heute eine innige Freundschaft zwischen uns emporgewachsen, deren dichtbelaubte Zweige sich über jedes Zimmer, jede Veranda, jede Terrasse dieses großen Hauses breiten. Als ich sah, wie die Bara Rani sich bereit machte, mit all ihrer Habe dies unser Haus zu verlassen, da fühlte ich, wie es an allen Banden, die uns zusammenhielten, bis in die äußersten Enden schmerzhaft zerrte.

Ich wußte wohl den Grund, warum sie sich entschlossen hatte, dem Unbekannten zuzutreiben und alle jene Bande zu zerschneiden, die sie mit den täglichen Gewohnheiten an das Haus knüpften, das sie nie einen Tag verlassen, nachdem sie es mit neun Jahren zuerst betreten hatte. Und doch wollte sie diesen wahren Grund nicht über ihre Lippen kommen lassen, sondern verbarg ihn lieber hinter andern, nichtigen Vorwänden.

Ich war der einzige, der ihr von allen Verwandten auf der Welt geblieben war, und die arme unglückliche, verwitwete und kinderlose Frau hegte diese Verwandtschaft mit aller Zärtlichkeit, die sie in ihrem Herzen aufgespeichert hatte. Wie tief sie unsre beabsichtigte Trennung empfunden hatte, fühlte ich erst, als ich zwischen ihren umhergestreuten Koffern und Bündeln stand.

Ich erkannte mit einem Blick, daß die kleinen Zwistigkeiten wegen Geldangelegenheiten, die sie oft mit Bimala hatte, nicht niederm Eigennutz entsprangen, sondern sie fühlte, daß diese andere Frau, die von Gott weiß woher kam, ihre Ansprüche an den einzigen Verwandten, der ihr geblieben war, zurückdrängte und das Band zwischen ihm und ihr lockerte! Sie war bei jedem Schritt verletzt worden und hatte doch kein Recht, sich zu beklagen.

Und Bimala? Auch sie fühlte, daß die Ansprüche der Bara Rani an mich sich nicht nur auf unsre Verwandtschaft gründeten, sondern ihren tieferen Grund hatten, und sie war eifersüchtig auf dies Verhältnis zwischen uns, das in unsre Kindheit zurückreichte.

Nun schlug mein Herz heftig gegen die Tür meiner Brust. Ich sank auf einen der Koffer nieder und sagte: »Ach, Schwester Rani, wie glücklich wäre ich, wenn die alten Zeiten, wo wir uns zuerst in diesem unserm alten Hause sahen, wiederkehren wollten!«

»Nein, lieber Bruder,« erwiderte sie mit einem Seufzer, »ich möchte mein Leben nicht noch einmal leben, — nicht als Frau! Laß das, was ich zu tragen gehabt habe, nur mit dieser einen Existenz zu Ende sein! Ich könnte es nicht noch einmal ertragen.«

Ich sagte zu ihr: »Die Freiheit, zu der wir durch Leid gelangen, ist größer als das Leid.«

»Das mag bei euch Männern so sein. Die Freiheit ist für euch. Aber wir Frauen möchten andere fesseln oder möchten noch lieber selbst von ihnen gefesselt werden. Nein, nein, Bruder, du wirst dich aus unsern Netzen nicht losmachen können. Wenn du denn deine Flügel ausbreiten und wegfliegen mußt, so mußt du mich mit dir nehmen; wir wollen nicht zurückbleiben. Darum habe ich all dies schwere Gepäck zusammengetragen. Man darf euch Männer nicht mit zu leichter Ladung laufen lassen.«