»Ich habe nicht den Wunsch, ihn zu belästigen«, sagte der Inspektor. »Er ist nicht nur aus guter Familie, sondern noch dazu der Sohn meines Schulfreundes, Nibaran Babu. Ich will Ihnen genau sagen, Maharadscha, wie die Sache liegt. Amulja kennt den Dieb, aber will ihn schützen, indem er den Verdacht auf sich lenkt. Solche Bravourstückchen sehen ihm gerade ähnlich. Ich will Ihnen mal was sagen, junger Mann,« wandte er sich an Amulja, »ich war auch einmal achtzehn und Student in Ripon College. Ich wäre beinahe ins Gefängnis gekommen, weil ich versuchte, einen Droschkenkutscher gegen einen Polizisten in Schutz zu nehmen. Ich kam mit genauer Not davon.«
»Maharadscha,« fuhr er dann zu mir gewandt fort, »der wirkliche Dieb wird nun wahrscheinlich entkommen, aber ich glaube, ich weiß, wer hinter der ganzen Sache steckt.«
»Wer denn?« fragte ich.
»Jener Verwalter, im Einverständnis mit dem Wächter Kasim.«
Als der Inspektor endlich fortgegangen war, nachdem er mir seine Hypothese lang und breit auseinandergesetzt hatte, sagte ich zu Amulja: »Wenn du mir sagst, wer das Geld genommen hat, verspreche ich dir, daß niemandem ein Leid geschehen soll.«
»Ich habe es getan«, sagte er.
»Aber wie ist es möglich? Wie war denn das mit der ganzen Schar bewaffneter Männer?...«
»Das war ich, ganz allein!«
Was Amulja mir nun erzählte, war in der Tat eine seltsame Geschichte. Der Verwalter war gerade mit seinem Abendbrot fertig und dabei, sich auf der Veranda den Mund zu spülen. Es war ziemlich dunkel. Amulja hatte in jeder Tasche einen Revolver, von denen einer mit Platzpatronen, der andre mit Kugeln geladen war. Vor dem Gesicht hatte er eine Maske. Er hielt dem Verwalter plötzlich eine Blendlaterne vors Gesicht und gab einen blinden Schuß ab. Der Mann fiel in Ohnmacht. Ein paar von den Wächtern, die dienstfrei waren, kamen herzugelaufen, aber sobald Amulja auch auf sie einen blinden Schuß abgab, verloren sie keine Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Dann kam Kasim, der Dienst hatte, mit einem dicken Knüppel herbeigestürzt. Diesmal feuerte Amulja einen scharfen Schuß ab, wobei er nach Kasims Beinen zielte, und als dieser fühlte, daß er getroffen war, brach er zusammen und fiel zu Boden. Amulja zwang dann den zitternden Verwalter, der inzwischen zur Besinnung gekommen war, den Geldschrank zu öffnen und ihm 6000 Rupien einzuhändigen. Darauf nahm er eins von den Dienstpferden, galoppierte ein paar Meilen, ließ dann das Pferd frei laufen und kam ruhig zu Fuß hierher zurück.