Die Vorsehung formt unser Leben im groben, sie will, daß wir selbst die letzte Hand anlegen und ihm seine endgültige Gestalt nach unserm Sinn geben. Ich habe mich immer bemüht, bei der Gestaltung meines Lebens den vom Schöpfer vorgezeichneten Linien zu folgen und ihm einen tiefen Sinn zu geben. In diesem Bestreben habe ich mein ganzes Leben verbracht. Wie ernstlich ich mich bemüht habe, meine Begierden im Zaum zu halten und jede Selbstsucht in mir zu unterdrücken, weiß nur Er, der in unser Herz sieht.

Aber die Schwierigkeit ist, daß unser Leben nicht uns allein gehört. Wir können es nicht formen ohne die Hilfe unsrer Umgebung. Daher war es immer mein Traum, Bima dafür zu gewinnen, daß sie mir bei dieser Arbeit helfe. Ich liebte sie von ganzer Seele; daher glaubte ich fest, es müsse mir gelingen.

Dann machte ich die Entdeckung, daß ich nicht zu den Menschen gehöre, die so ganz einfach und natürlich ihre Umgebung zu dieser Arbeit an ihrem Selbst heranziehen können. Ich habe den Lebensfunken erhalten, aber ich kann ihn nicht weitergeben. Die, denen ich mein Alles gegeben habe, haben es genommen, ohne mich selbst mitzunehmen.

Ich werde wirklich schwer geprüft. Immer, wenn ich am meisten eines helfenden Gefährten bedarf, werde ich auf mich selbst zurückgewiesen. Dennoch gelobe ich aufs neue, durchzuhalten in dieser Prüfungszeit.

So will ich denn allein meinen Dornenpfad gehen, bis die Reise dieses Lebens zu Ende ist...

Mir ist der Gedanke gekommen, daß ich doch immer etwas Neigung zur Tyrannei gehabt habe. Es war ein gewisser Despotismus in meinem Verlangen, meine Beziehungen zu Bimala in eine feste, klar umrissene und vollkommene Form zu bringen. Aber des Menschen Leben ist nicht dazu bestimmt, in eine feste Form gepreßt zu werden. Und wenn wir versuchen, dem Guten auf solche Weise Gestalt zu geben, als wäre es bloßer Stoff, so rächt es sich furchtbar, dadurch, daß es das Leben verliert.

Erst jetzt ist es mir klar geworden, daß es diese unbewußte Tyrannei gewesen sein muß, die uns allmählich voneinander entfernte. Als Bimalas Leben nicht zu seiner wahren Höhe aufsteigen konnte, da ich es von oben niederdrückte, mußte es sich dadurch einen Abfluß suchen, daß es seine Ufer am Grunde unterhöhlte. Sie mußte diese 6000 Rupien stehlen, weil sie mir gegenüber nicht offen sein konnte, weil sie fühlte, daß ich für gewisse Dinge kein Verständnis hatte noch haben wollte.

Menschen wie ich, die von einer Idee beherrscht werden, sind mit denen im Einklang, die ihren Überzeugungen zustimmen können; aber die andern können nur mit uns fertig werden, wenn sie uns betrügen. Unser hartnäckiger Eigensinn ist es, der selbst die Offensten und Geradesten auf krumme Wege treibt. Bei dem Versuch, uns eine Gefährtin nach unserm Sinn zu formen, verderben wir das Weib.

Könnte ich nicht noch einmal von vorn anfangen? Ja, dann würde ich den Pfad der Einfalt gehen. Ich würde nicht versuchen, die Gefährtin meines Lebens mit meinen Ideen zu binden, sondern die fröhliche Flöte meiner Liebe spielen und fragen: Liebst du mich? Dann wachse nur, dir selber treu, im Licht deiner Liebe! Laß Gottes Plan, der in dir lebendig ist, triumphieren und laß meine Pläne beschämt umkehren!