Aber kann selbst die große Heilmutter Natur die Wunde heilen, die all das Mißverstehen dieser letzten Zeit uns schlug? Die schützende Hülle, unter der allein die stillen Kräfte der Natur wirken können, ist auseinander gerissen. Wunden müssen verbunden werden — können wir unsre Wunde nicht mit unsrer Liebe verbinden, so daß ein Tag kommt, wo ihre Narbe nicht mehr sichtbar sein wird? Ist es nicht zu spät? Wir haben so viel Zeit verloren mit Mißverstehen; wir haben die ganze Zeit bis jetzt gebraucht, um endlich zu verstehen, — wie lange Zeit werden wir brauchen, um wieder gutzumachen? Und wenn die Wunde wirklich heilt, — kann die Zerstörung, die sie verursacht hat, je wieder gutgemacht werden?
Ich hörte ein leises Geräusch an der Tür. Als ich mich umwandte, sah ich Bimala durch die offene Tür verschwinden. Sie mußte an der Schwelle gewartet haben, unschlüssig, ob sie hereinkommen sollte, und schließlich hatte sie sich entschlossen, umzukehren. Ich sprang auf und stürzte zur Tür und rief: »Bima!«
Sie stand still, doch wandte sie sich nicht um. Ich trat zu ihr, nahm sie bei der Hand und führte sie in unser Zimmer zurück. Sie warf sich mit dem Gesicht aufs Kissen und schluchzte unaufhaltsam. Ich sagte nichts, sondern setzte mich nur still zu ihr und hielt ihre Hand.
Als der leidenschaftliche Ausbruch ihres Schmerzes sich gelegt hatte, richtete sie sich auf. Ich wollte sie an meine Brust ziehen, aber sie schob meine Arme zurück und kniete vor mir nieder, indem sie wiederholt meine Füße ehrfurchtsvoll mit ihrer Stirn berührte. Ich zog hastig meine Füße zurück, aber sie umklammerte sie mit ihren Armen und sagte mit tränenerstickter Stimme. »Nein, nein, nein, du darfst deine Füße nicht wegziehen! Laß mich meine Ehrfurcht verrichten!«
Da ließ ich sie gewähren.
Fußnoten:
[42] Rollen aus Betelpfefferblättern mit Stücken von Betelnuß, Katschu und Gewürzen gefüllt, die als Kaumittel verwandt werden.
[43] Auf dem nackten Boden sitzen ist ein Zeichen von Trauer und, von da aus übertragen, auch von Zerknirschung.