SANDIPS ERZÄHLUNG
II
Irgend etwas muß nicht in Ordnung sein. Ich merkte neulich etwas.
Seit meiner Ankunft war Nikhils Zimmer eine Art Zwischending geworden, halb Frauengemach, halb Herrenzimmer: Bimala hatte Zutritt von den Frauengemächern aus und ich von der andern Seite. Wenn wir nur langsamer zu Werke gegangen wären und unsern Vorteil mit etwas mehr Vorsicht wahrgenommen hätten, so hätten wir wohl kaum Anstoß bei andern erregt. Aber wir ließen uns so von unserer Leidenschaft treiben, daß wir gar nicht an die Folgen dachten.
Sobald Bima in Nikhils Zimmer kommt, merke ich es irgendwie in meinem. Ich höre das Klingeln von Fußspangen oder andere kleine Geräusche; die Tür wird vielleicht ein klein wenig energischer geschlossen als nötig ist; der Bücherschrank ist etwas gequollen und knarrt, wenn man ihn heftig öffnet. Wenn ich hineinkomme, finde ich Bima, die den Rücken zur Tür gewandt hat und ganz darin vertieft ist, eins von den Büchern auf den Borten auszusuchen. Und wie ich ihr meine Hilfe bei dieser schwierigen Aufgabe anbiete, schrickt sie zusammen und lehnt ab; und dann kommen wir ganz von selbst auf andere Sachen zu sprechen.
Neulich, an einem unheilvollen[16] Donnerstagnachmittag, kam ich auf den Wink dieser Geräusche hastig aus meinem Zimmer. Auf dem Korridor stand ein Mann Wache. Ich ging weiter, ohne ihn auch nur anzusehen; aber als ich mich der Tür näherte, vertrat er mir den Weg und sagte: »Nicht da hinein, Herr!«
»Nicht da hinein! Warum?«
»Die Herrin ist drinnen.«
»Gut, sage der Herrin, daß Sandip Babu sie zu sprechen wünscht.«
»Das geht nicht, Herr. Das ist gegen den Befehl.«