»Wirklich! Warum?« fragte Bima.

»Weil es keine Poesie ist«, sagte ich. »Es enthält nur nackte Tatsachen, und stellt sie ganz ungeschminkt dar, ohne Ziererei. Ich wollte, Nikhil läse es einmal.«

»Warum möchten Sie das?« fragte Bima mit leichtem Stirnrunzeln.

»Weil er ein Mann ist, einer von uns. Das einzige, was ich gegen ihn habe, ist, daß er diese Welt nicht sieht, wie sie ist, sondern sich an einem Traumbild von ihr ergötzt. Haben Sie nicht bemerkt, daß dies ihn dazu verleitet, unsere nationale Swadeschi-Bewegung wie ein Stück Dichtung anzusehen, die genau nach einem bestimmten Rhythmus fortschreiten muß? Wir aber kommen mit unsrer Prosa wie mit Keulen dazwischen und schlagen den ganzen Rhythmus zuschanden.«

»Was hat Ihr Buch mit der Swadeschi-Bewegung zu tun?«

»Das würden Sie gleich wissen, wenn Sie es gelesen hätten. Nikhil will immer nach fertigen Grundsätzen vorgehen, bei der Swadeschi-Bewegung wie bei allen andern Dingen; daher rennt er bei jeder Wendung gegen die menschliche Natur an und fängt dann an, sie zu schmähen. Er will nicht einsehen, daß die menschliche Natur älter ist als alle schönen Grundsätze und sie auch alle überleben wird.«

Bima schwieg einen Augenblick, dann sagte sie ernst: »Ist es nicht in der menschlichen Natur begründet, daß sie versucht, über sich hinauszukommen?«

Ich mußte innerlich lächeln. »Das sind nicht deine Worte«, dachte ich bei mir. »Die hast du von Nikhil gelernt. Du selbst bist ein gesundes Menschenkind. Dein Blut hat die Stimme der Natur vernommen. Weiß ich denn nicht, daß das Feuer des Lebens in allen deinen Adern brennt? Wie lange wird es ihnen noch gelingen, dich mit dem kalten Umschlag der Moral abzukühlen?«

»Die Schwachen sind in der Mehrheit«, sagte ich laut. »Sie vergiften die Ohren der Menschen, indem sie solche Schlagworte beständig wiederholen. Die Natur hat ihnen Kraft versagt — nun suchen sie auf diese Weise die andern zu schwächen.«

»Wir Frauen sind schwach«, erwiderte Bimala. »Daher müssen wir wohl an der Verschwörung der Schwachen teilnehmen.«