»Aber die Dornen belästigen nicht nur die andern«, erwiderte er. »Wer sie sät, tritt sie sich selbst in die Füße.«

»Das sind alles ganz schöne Schulregeln«, entgegnete ich. »Wir wollen einstweilen unsre brennende Sehnsucht stillen. Augenblicklich stechen uns die Dornen noch nicht; später, wenn wir sie fühlen, können wir ja noch immer bereuen. Aber warum sollte uns der Gedanke überhaupt schrecken? Wenn wir am Ende sterben müssen, haben wir Zeit genug, abzukühlen. Solange die Flamme brennt, laß uns sieden und überkochen!«

Tschandranath Babu lächelte. »Kocht, soviel ihr wollt,« sagte er, »aber haltet dies nur nicht für Arbeit oder Heldentum! Die Völker, die in der Welt etwas erreicht haben, haben es durch Handeln, nicht durch Überkochen erreicht. Aber die, welche die Arbeit immer gescheut haben, wollen, wenn sie einmal plötzlich zum Bewußtsein ihrer elenden Lage kommen, die Befreiung auf rechtlosem und gewaltsamem Wege erlangen.«

Ich gürtete gerade meine Lenden, um einen zermalmenden Ausfall gegen ihn zu machen, als Nikhil zurückkam. Tschandranath Babu erhob sich und sagte, zu Bima gewandt: »Jetzt muß ich gehen, Mütterchen, ich habe zu arbeiten.«

Als er fort war, zeigte ich Nikhil das Buch, das ich in der Hand hatte. »Ich erzählte gerade unsrer Bienenkönigin von diesem Buch«, sagte ich.

Neunundneunzig Prozent aller Menschen wollen durch Lügen getäuscht werden, aber dieser ewige Schulmeisterzögling läßt sich leichter mit der Wahrheit selbst täuschen. Ihm gegenüber ist Offenheit der beste Betrug. Daher war es beim Spiel mit ihm das Einfachste für mich, meine Karten offen auf den Tisch zu legen.

Nikhil las den Titel auf dem Einband, aber er sagte nichts. »Diese Schriftsteller«, fuhr ich fort, »fegen mit ihrem Besen den ganzen Staub von Redensarten weg, mit dem die Menschen unsre Welt zugedeckt haben. Daher sagte ich eben gerade, ich möchte, du läsest es einmal.«

»Ich habe es gelesen«, sagte Nikhil.

»Nun, und was sagst du?«