»Es ist ganz gut für die, die sich Mühe geben, wirklich nachzudenken, aber für die andern ist es Gift.«
»Was meinst du damit?«
»Wer predigt, daß alle gleichen Anspruch auf Eigentum haben, darf nicht selbst ein Dieb sein. Denn wenn er das ist, predigt er Lügen. Und wer eine Leidenschaft in sich nährt, der wird dies Buch nicht richtig verstehen.«
»Die Leidenschaft«, rief ich aus, »ist gerade unser bester Führer. Wenn wir ihm mißtrauen, so können wir ebensogut unsre Augen ausreißen, um besser zu sehen.«
Nikhil wurde sichtlich erregt. »Die Leidenschaft«, sagte er, »hat nur ihr Recht, solange wir sie zügeln. Wenn wir das, was wir richtig sehen wollen, auf unsre Augen drücken, so verletzen wir sie nur, aber wir sehen nichts. Und ebenso blendet uns auch die Heftigkeit der Leidenschaft, die keinen Raum lassen will zwischen sich und dem Gegenstande.«
»Es ist eure geistige Ziererei,« erwiderte ich, »die euch veranlaßt, in sittlichem Zartgefühl zu schwelgen und die rauhe Seite der Wahrheit nicht sehen zu wollen. Dadurch hüllt ihr nur die Dinge in einen verklärenden Nimbus, statt mit voller Kraft an die Arbeit zu gehen.«
»Aufwand von Kraft, wo Kraft nicht am Platze ist, fördert die Arbeit nicht«, sagte Nikhil ungeduldig. »Aber warum streiten wir über diese Dinge? Müßiges Streiten mit Worten nimmt nur den frischen Blütenstaub von der Wahrheit.«
Ich wollte gern, daß Bima sich an der Diskussion beteiligte, aber bis jetzt hatte sie noch kein Wort gesagt. Hatte ich ihr vielleicht einen zu rauhen Stoß versetzt, so daß sie jetzt, von Zweifeln bestürmt, den Wunsch hatte, wieder bei dem Schulmeister in die Lehre zu gehen? Und doch brauchte sie diesen Stoß. Man muß vor allem erst einmal einsehen, daß die Dinge nicht so fest stehen, wie man geglaubt hat.
»Ich bin ganz froh, daß ich dies Gespräch mit dir hatte,« sagte ich zu Nikhil, »denn ich wollte gerade unsrer Bienenkönigin dies Buch zu lesen geben.«