Und Bima? Ich fürchte, mit ihrem Traumleben ist es jetzt zu Ende. Sie hat endlich verstanden, wohin die Straße führt, auf die sie sich mitreißen ließ. Jetzt muß sie entweder ganz bewußt weiter oder umkehren. Wahrscheinlich aber wird sie bald einen Schritt vorwärtsgehen, und dann wieder einen Schritt zurückweichen. Aber das beunruhigt mich nicht. Wenn man Feuer gefangen hat, so brennen die Flammen nur um so wilder, je mehr man hin und her rennt. Der Schreck, den sie bekommen hat, wird ihre Leidenschaft nur noch mehr anfachen.

Vielleicht ist es besser, wenn ich gar nicht viel zu ihr sage, sondern ihr nur ein paar moderne Bücher zu lesen gebe. Auf diese Weise kann sie allmählich zu der Überzeugung kommen, daß ein Mensch mit modernen Ansichten die Leidenschaft als die höchste Wahrheit anerkennt und ehrt, statt sich ihrer zu schämen und Entsagung zu predigen. Wenn sie sich an irgend so ein Wort wie »modern« halten kann, so wird sie schon Kraft haben, weiterzugehen.

Sei dem, wie ihm wolle, ich muß das Spiel verfolgen bis zum Ende des fünften Aktes. Ich kann mich leider nicht rühmen, nur als Zuschauer dabei zu sein, der vorn in der königlichen Loge sitzt und ab und zu Beifall klatscht. Ich fühle, wie es an meinem Herzen reißt und in allen meinen Nerven zuckt. Wenn ich abends das Licht gelöscht habe und im Bett liege, so fühle ich mich von kleinen Berührungen, kleinen Blicken und kleinen Worten umschwirrt, die die Dunkelheit anfüllen. Wenn ich des Morgens aufstehe, so zittre ich vor lebhafter Erwartung, es ist, als ob mein Blut nach dem Takt einer Musik durch meine Adern läuft...

Auf dem Tisch stand ein Doppelrahmen mit Bimas und Nikhils Photographien. Ich hatte Bima herausgenommen und zeigte ihr gestern die leere Seite, indem ich sagte: »Der Geiz macht den Diebstahl zu einer Notwendigkeit, daher haben beide an der Sünde teil, der Geizige wie der Dieb. Meinen Sie nicht auch?«

Bima lächelte ein wenig und sagte nur: »Es war kein gutes Bild.«

»Was soll man machen?« sagte ich. »Ein Bild bleibt immer nur ein Bild. Ich muß mich schon damit zufrieden geben, so wie es ist.«

Bima nahm ein Buch auf und begann darin zu blättern. »Wenn Sie unzufrieden sind,« sagte ich, »so muß ich mich wohl bemühen, den leeren Platz auszufüllen.«

Heute habe ich ihn ausgefüllt. Diese Photographie von mir wurde vor vielen Jahren gemacht. Damals waren meine Züge noch jugendlich, und mein Geist war es auch. Damals hegte ich noch Illusionen über diese Welt und über das Jenseits. Der Glaube betrügt die Menschen, aber er hat ein Gutes: er gibt ihren Zügen einen höhern Glanz.

Mein Bild steht jetzt neben Nikhils, denn sind wir beide nicht alte Freunde?

Fußnoten: