Als ich die Tür des Wohnzimmers öffnete, sah ich Sandip, der in einen illustrierten Katalog von Gemälden der Britischen Akademie vertieft war und der Tür den Rücken zukehrte. Er bildet sich ein, ein großer Kunstkenner zu sein.
Eines Tages sagte mein Gatte zu ihm:
»Wenn die Künstler je einen Lehrmeister brauchen, so werden sie nie darum in Verlegenheit sein, solange du da bist.« Es war sonst nicht die Art meines Gatten, zu spotten, aber in letzter Zeit ist er anders darin, und er verschont Sandip nie.
»Warum meinst du, daß die Künstler keine Lehrmeister brauchen?« fragte Sandip.
»Weil der Künstler ein Schöpfer ist«, erwiderte mein Gatte. »Darum sollten wir uns bescheiden damit begnügen, unsere Lehren über die Kunst aus dem Werk des Künstlers zu entnehmen.«
Sandip lachte über solche Bescheidenheit und sagte: »Du meinst, daß Demut das Kapital ist, das die meisten Zinsen einbringt. Ich bin aber der Überzeugung, daß die, denen es an Stolz fehlt, dem Rohr gleichen, das auf dem Wasser umhertreibt und keine Wurzeln im Boden hat.«
Die widersprechendsten Gefühle bewegten mich, wenn sie so redeten. Einerseits wünschte ich sehnlichst, daß mein Gatte in dem Streit siegte und daß Sandips Stolz gedemütigt würde. Und doch war es gerade dieser nicht zu beugende Stolz Sandips, der mich so anzog. Er leuchtete wie ein kostbarer Diamant, der keine Schüchternheit kennt und der Sonne selbst keck ins Antlitz strahlt.
Ich trat ein. Sandip mußte meine Tritte hören, als ich mich näherte, aber er tat, als hörte er nichts, und ließ seine Augen nicht von dem Buch.
Ich fürchtete, daß er anfangen würde, über Kunst zu reden, denn wenn er von Bildern spricht, kann ich meine Feinfühligkeit in bezug auf sie nicht unterdrücken und habe immer große Mühe, bei seinen Reden meine Selbstbeherrschung zu bewahren. Daher war ich schon beinahe im Begriff umzukehren, als Sandip mit einem tiefen Seufzer aufsah und so tat, als ob ihn mein plötzlicher Anblick erschreckte. »Ach, da sind Sie!« sagte er.
In seinen Worten, in seinem Ton, in seinen Augen lag eine Welt von Vorwurf, als ob die Ansprüche, die er an mich hatte, meine Abwesenheit, wenn auch nur von ein paar Tagen, zu einem schweren Unrecht machten. Wohl empfand ich diese Haltung als eine Beleidigung für mich, aber ach, ich hatte nicht die Kraft, darüber zu zürnen.