»Was ist denn geschehen?«

Es stellte sich heraus, daß Thako, das Mädchen meiner Schwägerin, sie ohne irgendwelchen Grund maßlos beschimpft hatte. Sie war in einem solchen Zustand, daß ich mich vergeblich bemühte, sie zu beruhigen, indem ich ihr sagte, ich wolle gleich nachher kommen und die Sache untersuchen.

Der Schlamm häuslichen Lebens, der unter den Lotusblättern der Weiblichkeit lag, kam an die Oberfläche. Damit Sandip nicht noch mehr davon erblickte, eilte ich schnell zurück.

X

Meine Schwägerin war in ihr Betelnußschneiden vertieft, ein leises Lächeln spielte um ihre Lippen, als ob nichts Verdrießliches passiert wäre. Sie summte noch dasselbe Lied.

»Warum hat deine Thako die arme Khema so beschimpft?« brach ich los.

»Hat sie das? Das Weibsbild! Ich werde sie aus dem Hause peitschen lassen. Wie schändlich, dir deinen Morgen so zu verderben! — Aber was hat denn auch diese Dirne Khema für Manieren, daß sie hingeht und dich stört, wenn du beschäftigt bist? Plage du dich jedenfalls nicht mit solchen häuslichen Zänkereien, Tschota Rani! Überlaß das nur mir und geh wieder zu deinem Freunde!«

Wie plötzlich der Wind in den Segeln unsres Geistes umschlägt! Daß ich Sandip draußen aufgesucht hatte, war in der Beleuchtung des Zenana-Kodex etwas so Unerhörtes, daß ich nicht wußte, was ich antworten sollte und in mein Zimmer ging. Ich wußte, daß meine Schwägerin dahinter steckte, daß sie ihr Mädchen zu dieser Szene aufgereizt hatte. Aber ich fühlte mich auf so unsicherem Boden, daß ich keinen Gegenhieb wagte.

Erst neulich hatte ich gesehen, daß ich den unbeugsamen Stolz, mit dem ich von meinem Gatten die Entlassung Nankus gefordert hatte, nicht bis zu Ende aufrechterhalten konnte. Ich wurde plötzlich verlegen, als die Bara Rani kam und sagte: »Es ist wirklich ganz meine Schuld, lieber Bruder. Wir sind altmodische Leute, und mir wollte die Art deines Sandip Babu nicht recht gefallen, daher sagte ich dem Türhüter... aber wie konnte ich wissen, daß unsre Tschota Rani dadurch beleidigt sein würde? — Ich hätte gerade das Gegenteil erwartet! Aber ich bin nun einmal so unverbesserlich einfältig!«