Was so herrlich scheint, wenn man es von der Höhe der nationalen Sache aus betrachtet, erscheint trübe und schmutzig, wenn man es von unten sieht. Und bald steigert sich Unwillen und Zorn zu Abscheu.

Ich schloß mich in mein Zimmer ein, setzte mich ans Fenster und dachte darüber nach, wie leicht das Leben doch sein würde, wenn man mit seiner Umgebung in Harmonie bleiben könnte. Wie einfach und selbstverständlich sitzt meine Schwägerin da auf der Veranda mit ihren Betelnüssen, und wie unerreichbar fern ist mir mein natürlicher Platz bei meinen häuslichen Pflichten gerückt! Wie soll das alles enden? fragte ich mich. Werde ich je aus diesem Zustande wie aus einem Fiebertraum erwachen und alles vergessen, oder werde ich zu einem Abgrund geschleppt, aus dem es in diesem Leben kein Entrinnen gibt? Wie brachte ich es nur fertig, mein Glück von mir zu stoßen und mein Leben so zu Grunde zu richten? Jeder Winkel dieses Schlafzimmers, das ich vor neun Jahren als junge Frau zuerst betrat, starrt mich erschrocken an.

Als mein Gatte von seinem Magisterexamen nach Hause kam, brachte er mir diese Orchidee mit, die aus einem fernen Lande jenseits des Meeres stammt. Unter diesen kleinen Blättern quoll solch eine Fülle von Blumen hervor, es sah aus, als ob die Schönheit selbst ihr Füllhorn ausgeschüttet hätte. Wir beschlossen, sie hier über dem Fenster aufzuhängen. Sie blühte nur das eine Mal, aber wir haben immer gehofft, daß sie noch einmal blühen würde. Aus Macht der Gewohnheit habe ich sie selbst in diesen Tagen noch begossen, und sie ist noch grün.

Es sind jetzt vier Jahre her, da rahmte ich ein Bild meines Gatten in Elfenbein und stellte es in die Nische da drüben. Wenn jetzt mein Blick zufällig darauf fällt, so muß ich die Augen niederschlagen. Bis vorige Woche pflegte ich es regelmäßig jeden Morgen nach dem Bade mit Blumen zu schmücken, als eine Art Morgenopfer, das ich meiner Liebe brachte. Mein Gatte schalt mich oft darum.

»Es beschämt mich, daß du mich auf eine Höhe erhebst, auf die ich nicht gehöre«, sagte er eines Tages.

»Welch ein Unsinn!«

»Ich bin nicht nur beschämt, sondern auch eifersüchtig!«

»Nun höre ihn einer! Eifersüchtig auf wen denn, bitte?«

»Auf dies mein falsches Ich. Es zeigt nur, daß ich dir zu unbedeutend bin, daß du einen außerordentlichen Mann haben möchtest, vor dessen Überlegenheit du dich beugen kannst, und daher mußt du dir helfen, indem du dir ein andres Ich von mir machst.«