SANDIPS ERZÄHLUNG
IV
Wenn ich diese Seiten aus meiner Lebensgeschichte lese, so frage ich mich ernstlich: Ist dies Sandip? Bestehe ich denn nur aus Worten? Bin ich nur ein Buch mit einem Deckel von Fleisch und Blut?
Die Erde ist nicht ein totes Ding wie der Mond. Sie atmet, und der Atem ihrer Flüsse und Meere hüllt sie ein. Sie ist bedeckt mit einem Mantel aus ihrem eignen Staub, der in der Luft flattert. Der Zuschauer, der von draußen auf die Erde blickt, sieht nur das Licht, das dieser Atem und dieser Staub zurückwirft. Die Konturen der mächtigen Festländer kann er nicht deutlich unterscheiden.
Der Mensch, der lebendig ist wie die Erde, ist auch in den Nebel seiner Ideen eingehüllt, die er ausatmet. Die Konturen seines wahren Wesens bleiben verborgen, und es scheint, als ob er auch nur aus Licht und Schatten besteht.
Es scheint mir, daß ich in dieser meiner Lebensgeschichte gleichwie jene Planeten nur das Bild meiner idealen Welt entfalte. Aber ich bin nicht nur, was ich zu sein wünsche und glaube — ich bin auch, was ich nicht liebe und was ich nicht sein möchte. Meine Erschaffung hatte schon begonnen, ehe ich geboren wurde. Ich hatte keine Wahl in bezug auf meine Umgebung, und so muß ich versuchen, aus dem, was sich mir bietet, das Beste zu machen.
Meine Weltanschauung macht mich gewiß, daß das Große grausam ist. Gerecht sein ist für die Durchschnittsmenschen; es ist das Vorrecht der Großen, ungerecht zu sein. Die Oberfläche der Erde war eben. Der Vulkan stieß mit seinem feurigen Horn gegen sie und kam so zu seiner Höhe, — er versuchte nicht, dem, was ihm im Wege stand, sondern nur sich selbst gerecht zu werden. Erfolgreiche Ungerechtigkeit und natürliche Grausamkeit sind die einzigen Kräfte gewesen, durch die der Einzelne oder die Nation zu Reichtum und Herrschaft gekommen ist.