Wenn ich sehe, wie mir die Gabe versagt ist, meine Gefühle auszudrücken, dann weiß ich, warum ich einsam bin. Wer könnte auf die Dauer Tag und Nacht meine Gesellschaft ertragen? Bimala ist voll von Lebenskraft, und daher bin ich ihrer in all den neun Jahren unsrer Ehe keinen Augenblick überdrüssig geworden.
Mein Leben hat nur seine stumme Tiefe, aber kein murmelndes Rauschen. Ich kann wie der stille See nur aufnehmen, nicht fortreißen. Und daher ist meine Gesellschaft wie ein Fasten. Heute erkenne ich es klar, daß Bimala die ganze Zeit an meiner Seite gedarbt hat.
Wen soll ich darum tadeln? Wie Vidjapati kann ich nur klagen:
August ist da. Wild schluchzt der Himmel auf,
Und Tränenströme stürzen auf die Erde;
Und, ach mein Haus ist leer.
Mein Haus, das sehe ich jetzt, war von Anfang an bestimmt, leer zu bleiben, weil seine Türen sich nicht öffnen lassen. Aber bis jetzt wußte ich nicht, daß seine Gottheit draußen saß. Ich war töricht genug zu glauben, daß sie mein Opfer angenommen und mir dafür ihre Gnade verliehen hätte. Aber ach, mein Haus ist die ganze Zeit leer gewesen.
Jedes Jahr um diese Zeit pflegten wir uns in einem Hausboot über die weite Fläche des Samalda treiben zu lassen. Ich sagte oft zu Bimala, daß jedes Lied immer wieder zu seiner Grundmelodie zurückkehren müsse. Die ursprüngliche Grundmelodie jedes Liedes findet sich in der Natur, wo der regenbeladene Wind über den rauschenden Strom hinfährt, wo die grüne Erde sich den Schattenschleier übers Antlitz zieht und ihr Ohr dem plaudernden Wasser zuneigt. Da ist es, wo am Anfang aller Zeiten Mann und Weib sich zuerst begegneten, — nicht zwischen Mauern. Und daher müssen wir beide wenigstens einmal im Jahr zur Natur zurückkehren, um unsre Liebe neu zu stimmen auf den ersten reinen Ton, in dem unsre Herzen sich fanden.
Die beiden ersten Jahre unsrer Ehe verbrachte ich unsern Hochzeitstag in Kalkutta, wo ich meine Examina machte. Aber von dem nächsten Jahre an, in den sieben folgenden Jahren haben wir jedesmal diesen Tag inmitten der blühenden Wasserlilien gefeiert. Jetzt beginnt eine andere Oktave meines Lebens.
Es wird mir schwer, nicht daran zu denken, daß der August in diesem Jahre wiedergekommen ist. Ob Bimala wohl daran denkt? Sie hat mich nichts merken lassen. Alles um mich her ist stumm.
August ist da. Wild schluchzt der Himmel auf,
Und Tränenströme stürzen auf die Erde.
Ach, und mein Haus ist leer.