Ich weiß noch, wie ich einmal zu ihm sagte: »Die Seele der Frau ist so klein und verkrüppelt.« »Wie die Füße der Chinesinnen«, erwiderte er. »Hat die Gesellschaft sie nicht so eingezwängt, daß sie klein und verkrüppelt werden mußten? Sie sind nur Opfer eines launischen Schicksals. Wie kann man sie dafür verantwortlich machen?«

Es gelang meiner Schwägerin immer, alles, was sie wollte, von meinem Gatten zu bekommen. Er überlegte nicht erst, ob ihre Bitten berechtigt oder vernünftig wären. Aber am meisten empörte mich, daß sie ihm gar nicht dankbar dafür war. Ich hatte meinem Gatten versprochen, auf ihr Schelten nichts zu erwidern, aber dies brachte mich innerlich nur um so mehr auf. Ich fühlte, daß Güte eine Grenze hat und, wenn man über diese hinausgeht, leicht in Schwäche ausartet. Ja, soll ich ganz aufrichtig sein? Ich habe oft gewünscht, daß mein Gatte die Männlichkeit haben möchte, etwas weniger gut zu sein.

Meine Schwägerin, die Bara Rani[7], war noch jung und machte keinen Anspruch auf Heiligkeit. Im Gegenteil, ihre Reden und Späße hatten leicht etwas Keckes. Auch die jungen Mädchen, die sie um sich hatte, waren ziemlich unverschämt. Aber niemand verwies ihr ihre Art; war dies doch der Ton, an den man im Hause gewöhnt war. Was sie mir vor allem mißgönnte, war, so schien es mir, das Glück, einen so untadelhaften Gatten zu haben. Er jedoch empfand weniger die Fehler ihres Charakters als die Traurigkeit ihres Schicksals.

II

Mein Gatte hatte den sehnlichen Wunsch, mich aus der Abgeschlossenheit meines Frauengemaches hinaus in die Welt zu führen.

Eines Tages sagte ich zu ihm: »Wozu brauche ich die Welt da draußen?«

»Die Welt da draußen braucht dich vielleicht«, erwiderte er.

»Wenn sie so lange ohne mich fertig geworden ist, kann sie es auch noch etwas länger. Sie wird schon nicht aus Sehnsucht nach mir zugrunde gehen.«

»Ach, meinetwegen mag sie zugrunde gehen. Darum mache ich mir keine Sorge. Ich denke an mich selbst.«