Aber als Sandip kam und sich hier niederließ und seine Anhänger anfingen, im Lande umherzureisen und in Dörfern und Marktflecken ihre Reden zu halten, da schlugen die Wellen der Erregung auch an unser Ufer. Eine Schar junger Burschen aus dem Ort schlossen sich ihm an, darunter sogar einige, die als ein Schandfleck für das Dorf bekannt waren. Aber die Glut ihrer echten Begeisterung verklärte sie äußerlich und innerlich. Es zeigte sich, wie aller Schmutz und Moder in einem Lande plötzlich weggefegt wird, sobald die reine Brise einer großen Freude und Hoffnung darüber hinfährt. Es ist in der Tat schwer für die Menschen, offen und gerade und gesund zu sein, wenn ihr Vaterland geknechtet am Boden liegt.
Nun richteten sich alle Blicke auf meinen Gatten, von dessen Gütern allein ausländische Waren wie Zucker und Salz und Kleidungsstoffe nicht verbannt waren. Selbst die Gutsbeamten wurden am Ende darüber verlegen und beschämt. Und doch hatten noch vor einiger Zeit, als er anfing, einheimische Artikel in unserm Dorfe einzuführen, jung und alt ihn heimlich und öffentlich wegen seiner Torheit getadelt und verspottet. Als es noch nicht ein Ruhm war, zur Swadeschi-Bewegung zu gehören, hatten wir sie von ganzem Herzen verachtet.
Mein Gatte schärft noch immer seine indischen Bleistifte mit seinem indischen Messer, schreibt mit Rohrfedern, trinkt Wasser aus einem Zinngefäß und arbeitet des Abends beim Licht einer altmodischen Öllampe. Aber solch langweiliger Zuckerwasser-Patriotismus sprach uns nicht an. Wir schämten uns vielmehr immer der einfachen und unmodernen Einrichtung seines Empfangszimmers, besonders wenn hohe Beamte oder andere Europäer bei ihm zu Gaste waren.
Mein Gatte hörte meine Vorstellungen lächelnd an. »Warum regst du dich über solche Kleinigkeiten auf?« pflegte er zu sagen.
»Sie werden uns für Barbaren halten oder jedenfalls finden, daß es uns an feiner Lebensart fehlt.«
»Wenn sie das tun, so vergelte es ihnen dadurch, daß ich denke, ihre Feinheit geht nicht tiefer als ihre weiße Haut.«
Mein Gatte hatte auf seinem Schreibtisch einen gewöhnlichen Messingtopf, den er als Blumenvase benutzte. Oft, wenn ich hörte, daß er einen europäischen Gast erwartete, schlich ich mich in sein Zimmer und setzte an seine Stelle eine Kristallvase von europäischer Arbeit.
»Sieh einmal, Bimala,« wehrte er endlich, »jener Messingtopf weiß so wenig von sich wie jene Blumen; aber dies Ding hier macht seinen Zweck so laut bekannt, es paßt nur für künstliche Blumen.«
Nur die Bara Rani schmeichelt den Launen meines Gatten. Einmal kommt sie ganz außer Atem an: »O, Bruder, hast du es schon gehört? Sie haben jetzt im Dorf prachtvolle indische Seife! Ich bin zwar über die Jahre hinaus, wo man sich jeden Luxus leistet, aber wenn sie keine tierischen Fette enthält, möchte ich sie doch versuchen.«
Mein Gatte strahlt, wie er das hört, und nun wird das ganze Haus mit indischen Seifen und Wohlgerüchen überschwemmt. Fürwahr eine schöne Seife! Sie ist vielmehr eine Art scharfen Sodas. Und als ob ich nicht ganz gut wüßte, daß meine Schwägerin für sich die alte europäische Seife weiter gebraucht und diese den Mädchen zum Zeugwaschen gibt!