Unsre Arbeit geht schnell vorwärts. Aber obgleich wir uns heiser geschrien haben, indem wir die Muhammedaner für unsre Brüder erklärten, haben wir doch einsehen müssen, daß es uns nie gelingen wird, sie ganz auf unsre Seite zu bringen. Daher müssen wir sie nun ganz unterdrücken und ihnen begreiflich machen, daß wir die Herren sind. Jetzt zeigen sie die Zähne, aber eines Tages werden sie wie zahme Bären nach unsrer Pfeife tanzen.

»Wenn es euch mit dem Gedanken eines vereinigten Indiens ernst ist,« wendet Nikhil ein, »so müßt ihr die Muhammedaner als einen notwendigen Teil desselben gelten lassen.«

»Ganz recht,« sagte ich, »aber wir müssen wissen, wo ihr Platz ist, und dafür sorgen, daß sie da bleiben, sonst werden sie uns beständig beschwerlich fallen.«

»So wollt ihr also Beschwerden verursachen, um Beschwerden zu verhindern?«

»Und was wolltest du tun?«

»Es gibt nur ein bekanntes Mittel, Streit zu vermeiden,« sagte Nikhil mit Betonung.

Ich weiß, daß Nikhils Reden, wie die Erzählungen guter Leute, immer mit einer Moral enden. Das Merkwürdige ist, daß er trotz seiner Vertrautheit mit moralischen Vorschriften noch immer an sie glaubt! Er ist ein unverbesserlicher Schuljunge. Das einzig Gute an ihm ist seine Aufrichtigkeit. Das Schlimme ist, daß seinesgleichen nicht einmal die Endgültigkeit des Todes zugibt, sondern immer den Blick auf ein Hernach richtet.

Ich habe mich lange mit einem Plan getragen, der, wenn ich ihn ausführen könnte, das ganze Land in Flammen setzen würde. Wir werden niemals unsre Landsleute zu wahrem Patriotismus aufrütteln, wenn wir ihnen das Mutterland nicht irgendwie versinnbildlichen können. Wir müssen eine Göttin von ihm machen. Meine Gefährten begriffen die Sache sofort. »Wir müssen ein passendes Götzenbild erfinden,« riefen sie aus. »Erfinden nützt nichts,« belehrte ich sie. »Wir müssen uns eins der anerkannten Götzenbilder aneignen, dem die Verehrung des Volkes in den tief gegrabenen Kanälen der Gewohnheit zuströmt, und es zum Repräsentanten des Landes machen.«

Aber Nikhil muß natürlich auch dagegen seine Einwendungen machen. »Wir dürfen nicht bei einer Sache, die wir für die rechte halten, zu Täuschungen unsre Zuflucht nehmen,« sagte er vor einiger Zeit zu mir.