[26] Sakuntala war, nachdem der König, ihr Geliebter, mit dem Versprechen, sie holen zu lassen, in sein Königreich heimgekehrt war, so in Gedanken an ihn verloren, daß sie den Ruf des Eremiten, der als Gast zu ihr kam, überhörte. Der Eremit sprach den Fluch über sie aus, daß der Gegenstand ihrer Liebe sie ganz vergessen solle.

[27] Ein kriegerischer Volksstamm im Innern Indiens, der 1648 die Herrschaft des Großmoguls abschüttelte, erfolgreiche Eroberungszüge unternahm und ein Jahrhundert hindurch eine beherrschende Rolle spielte. (Übers.)

[28] Ursprünglich eine religiöse Sekte, gestiftet von Baba Nanak (1468-1539), die eine Vereinigung des Islams und des Hinduismus anstrebte. Sie verwandelte sich unter dem Druck von Verfolgungen in einen fanatischen Kriegerstaat, der lange mit wechselndem Erfolge gegen die Herrschaft des Großmoguls ankämpfte und sich schließlich mit den Mahraten in ihr Erbe teilte. (Übers.)

X

Als ich Bimala danach zuerst wiedersah, schlug ich ohne weiteres gleich hohe Töne an. »Ist es uns gelungen,« begann ich, »von ganzem Herzen an den Gott zu glauben, auf dessen Erscheinen wir seit Millionen von Jahren gewartet haben, um ihm zu dienen, und der sich uns jetzt endlich in sichtbarer Gestalt offenbart hat?«

»Wie oft habe ich Ihnen gesagt,« fuhr ich fort, »daß ich, wenn ich Sie nicht gesehen hätte, niemals mein ganzes Vaterland als eine Einheit erkannt haben würde. Ich weiß noch nicht, ob Sie mich richtig verstehen. Die Götter sind nur in ihrem Himmel unsichtbar, auf Erden zeigen sie sich den Sterblichen.«

Bimala sah mich seltsam an, als sie ernst erwiderte: »Doch, ich verstehe Sie, Sandip.« Es war das erste Mal, daß sie mich schlechtweg Sandip nannte.

»Krischna,« fuhr ich fort, »den Ardschuna sonst nur als seinen Wagenlenker gekannt hatte, offenbarte sich ihm eines Tages auch in seiner göttlichen Gestalt, und an dem Tage sah Ardschuna die Wahrheit. Ich habe Ihre göttliche Gestalt in meinem Vaterlande erblickt. Der Ganges und der Brahmaputra sind die goldnen Ketten, die sich in vielen Windungen um Ihren Nacken schlingen; im Waldsaum an den fernen Ufern des dunklen Flusses erblickte ich die dunklen Wimpern Ihrer Augen; der wechselnde Glanz Ihres Sari leuchtete mir in dem Spiel von Licht und Schatten auf dem wogenden grünen Kornfeld, und die brennende Sommerhitze, in der der Himmel schwer atmend daliegt, wie ein verschmachtender Löwe in der Wüste, ist nichts als Ihre grausam versengende Glut.«

»Da nun die Göttin ihrem Priester ihre Gegenwart in so wunderbarer Gestalt offenbart hat, so ist meine Aufgabe, im ganzen Lande ihren Dienst zu predigen, und dann wird das Land zu neuem Leben erwachen.