Der Knabe wiederholte diese Worte immer wieder bei jedem Krug, bis er ganz betäubt und seine Zunge wie gelähmt war. Als die Zeremonie zu Ende war, war die Luft in der Höhle ganz dick von dem Rauch der irdenen Lampe und dem Atemgift der beiden. Dem Knaben war der Gaumen trocken wie Staub, und alle seine Glieder brannten ihm. Er erstickte fast.
Die Lampe wurde trüber und trüber und ging dann ganz aus. In der vollständigen Dunkelheit, die nun folgte, konnte Nitai hören, wie der Alte die Leiter hinaufkletterte. „Großvater, wohin gehst du?“ rief er angstvoll.
„Ich gehe jetzt fort,“ erwiderte Dschagannath, „du bleibst hier. Niemand wird dich finden. Vergiß nicht den Namen Gokul Tschandra, Sohn Brindabans und Enkel Dschagannaths.“
Dann zog er die Leiter fort. Mit angsterstickter Stimme flehte der Knabe: „Ich möchte zurück zu meinem Vater!“
Dschagannath legte die Steinplatte wieder an ihren Platz. Dann kniete er nieder und legte sein Ohr an den Stein. Er hörte noch einmal Nitais Stimme: „Vater“ – dann kam ein Geräusch, als ob ein schwerer Gegenstand zu Boden fiel – dann war alles still.
Nachdem Dschagannath so seinen Reichtum einem Yak[12] übergeben hatte, begann er, den Stein mit Erde zuzudecken. Dann häufte er zerbrochene Mauersteine und losen Mörtel darüber. Obenauf pflanzte er Grasbüschel und Waldgewächse. Die Nacht war fast vergangen, aber er konnte sich nicht von dem Orte losreißen. Immer wieder legte er sein Ohr an den Boden und horchte. Es war ihm, als ob von tief, tief unten – aus dem Innern der Erde herauf – ein Wehklagen ertönte. Es war ihm, als ob der Nachthimmel von diesem einen Laut überflutet wäre, als ob die ganze Menschheit, vom Schlummer aufgeschreckt, sich in ihrem Bett aufrichtete und horchte.
Der Alte häufte wie rasend Erde auf Erde auf den Stein. Er wollte jenen Ton irgendwie ersticken, aber immer kam es ihm vor, als hörte er „Vater!“
Er schlug mit aller Kraft auf den Boden und rief: „Sei still, sonst hören dich die Leute!“ Aber immer noch glaubte er den Ruf „Vater“ zu hören.
Die Sonne erleuchtete den östlichen Horizont. Da verließ Dschagannath den Tempel und kam hinaus aufs freie Feld.
Doch auch da rief plötzlich jemand: „Vater!“ Erschrocken wandte er sich um und sah seinen Sohn dicht hinter sich.