Namas te 'stu. Für namaḥ läßt sich schwer ein genau entsprechendes Wort finden, vielleicht kommt „Verneigung“ oder „Verehrung“ seiner Bedeutung am nächsten.
Meine Anbetung dir — laß sie wahr werden.
Dies ist der erste Teil des Textes unsrer Andachtsübung. Ich will versuchen, zu erklären, was ich darunter verstehe.
Pitā no 'si. Der Text beginnt mit der Versicherung, daß Gott in Wahrheit unser Vater ist.
Aber diese Wahrheit ist in unserm Leben noch nicht als solche erfaßt und zum Ausdruck gekommen, und das ist die Ursache all unsrer Unvollkommenheiten und Sünden und all unsres Elends. Daher beten wir, daß sie in unserm Bewußtsein Wirklichkeit werde.
Dann schließt der Vers mit Namas te. Laß meine Anbetung wahr werden! Weil Anbetung die Haltung ist, die uns ihm gegenüber gebührt. Wenn ich diese große Wahrheit — Pitā no 'si — vollkommen erkannt habe, dann bringt mein Leben sein wahres Wesen zum Ausdruck, durch demütige Selbsthingabe und anbetende Verehrung.
Beim Gebet brauchen wir mitunter Worte, die zwar unserm Empfinden Ausdruck geben, die wir aber doch nur mechanisch äußern, ohne uns in dem Augenblick ihre volle Bedeutung klarzumachen. Solch ein Wort ist „Vater“.
Daher versuchen wir in dieser Betrachtung seinen Sinn in seiner ganzen Tiefe zu erfassen und unser Herz in Einklang mit seiner Wahrheit zu bringen.
Wir können diese Welt als das nehmen, als was sie uns erscheint. Wir können in unserm Geiste die Vorstellung haben, sie sei eine Welt der Kraft und des Stoffes; dann wird unsre Beziehung zu ihr die rein mechanische Beziehung der Naturwissenschaft. Aber auf diesem Wege gelangen wir nie zu der höchsten Wahrheit, die im Menschen offenbar wird. Denn was ist der Mensch? Er ist ein persönliches Wesen. Das Naturgesetz kümmert sich darum nicht. Das Naturgesetz hat es mit der Physiologie und Psychologie, mit dem Mechanismus unsrer Natur zu tun. Und wenn wir zu unserm persönlichen Wesen kommen, so finden wir kein Naturgesetz, das es uns erklären könnte. Daher hat die Naturwissenschaft keine Ahnung von dem, was die Grundlage unsres Wesens ist. Für sie wird die ganze Welt zur Maschine, und so kann sie nicht auf den Gedanken kommen, in dem Schöpfer den Vater zu sehen oder „die Mutter“, wie wir Inder ihn oft nennen.
Wenn wir in der Welt nur ein Zusammenwirken verschiedener Kräfte sehen, so kann von Anbetung keine Rede sein. Aber wir sind nicht nur Gegenstände der Physiologie und Psychologie. Wir sind Männer und Frauen. Und wir müssen versuchen zu erkennen, welchen Sinn es für uns und für die ganze Welt hat, daß wir Menschen sind.