Yád bhadráṃ tán na ā́ suva [[19]] ! Gib uns das, was gut ist. Sehr oft sprechen wir dies Gebet und bitten unsern Vater, uns das zu geben, was gut ist, aber wir wissen nicht, wie Furchtbares uns zuteil würde, wenn Gott uns unsre Bitte in vollem Maße gewährte. Es gibt nur sehr wenige unter uns, die, wenn sie erkennen, was das höchste Gute ist, noch darum bitten können. Nur der kann es, der sein Leben gereinigt und es aus den Ketten des Bösen befreit hat, der furchtlos Gott bitten kann, sein Werk an ihm zu tun. Er, der sagen kann: „Ich habe meinen Geist von allen selbstsüchtigen Impulsen und von aller Angst und Sorge des engen Lebens im Ich befreit“, und nun kann ich voll Zuversicht beten: „Gib mir, was gut ist, in welcher Gestalt es auch sei, sei es Leid, Verlust, Schmach, Verlassenheit — ich werde es mit Freuden hinnehmen, denn ich weiß, es kommt von dir.“
Aber wie schwach wir auch sein mögen, dies muß unser Gebet sein. Denn wir wissen, daß, wer in Gott seinen Vater erkannt hat, alles, was aus seinen Händen kommt, willig hinnimmt, und müßte er auch in Leid und Elend versinken. Das ist wahre Freiheit. Denn Freiheit ist nicht da, wo nur äußeres Glück ist. Sondern wenn wir Gefahr und Tod, Mangel und Leid Trotz bieten können und uns doch frei fühlen, wenn wir nicht den geringsten Zweifel haben, daß wir in unserm Vater leben, dann kommt alles wie eine frohe Botschaft zu uns, und wir können es mit Demut und Freude empfangen und unser Haupt in Dankbarkeit beugen.
Námaḥ śambhavā́ya [[20]] .
„Anbetung dir, von dem alle Freuden des Lebens kommen.“ Wir heißen sie froh willkommen, all die verschiedenen Ströme der Freude, die du durch verschiedene Kanäle uns zuleitest, und wir neigen uns in Anbetung vor dir.
Mayobhavā́yaca.
„Anbetung dir, von dem die Wohlfahrt der Menschen kommt.“ Wohlfahrt enthält beides, Freude und Leid, Gewinn und Verlust. Dir, der du mit Schmerz, Sorge und Not unser Leben segnest, — dir sei Anbetung.
Námaḥ śivā́ya ca śivátarāya ca [[20]] .
„Anbetung dir, dem Gütigen, dem Allgütigen.“
Dies ist der vollständige Text. Der erste Teil ist das Gebet um Erkenntnis, daß wir nicht nur in der Welt der Natur, in der Welt von Erde, Luft und Wasser leben, sondern in der wahren Welt der Seele, in der Welt der Liebe. Und wenn wir erkannt haben, daß wir von dieser Liebe getragen werden, dann empfinden wir die Disharmonie unsres Lebens, das von Liebe nichts weiß. Wir empfinden sie erst, wenn wir Gott als unsern Vater erkannt haben. Aber sobald wir zu dieser Erkenntnis gekommen sind, fühlen wir die Disharmonie unsres Lebens so stark, daß sie uns vernichtet und wir dies Leben als Tod empfinden. Wir können es nicht mehr ertragen, sobald wir uns bewußt werden, daß die Liebe unsres Vaters uns umgibt.