Dann kommt das Gebet um Befreiung aus der Gewalt der Dinge und um das höchste Gut, um die Freiheit in Gott.
Und dann der Schluß. Wir beugen uns in Anbetung vor Ihm, in dem alle unsre Freuden sind, in dem die Wohlfahrt unsrer Seele ist, in dem das Gute ist:
Om, S̀āntiḥ, S̀āntiḥ, S̀āntiḥ. Om.
[DIE FRAU]
WENN die männlichen Geschöpfe ihrer natürlichen Neigung zum Kämpfen nachgeben und einander töten, so läßt die Natur dies zu, weil die weiblichen Wesen ihrem Zweck unmittelbar, die männlichen ihm dagegen nur mittelbar dienen. Sparsam, wie sie ist, liegt ihr nicht besonders an der Erhaltung der hungrigen Brut, die mit zänkischer Gefräßigkeit über alles herfällt und doch sehr wenig dazu beiträgt, die Rechnung der Natur zu bezahlen. Daher können wir beobachten, wie in der Insektenwelt die Weibchen dafür sorgen, daß die männliche Bevölkerung sich auf die kleine Zahl beschränkt, die zur Erhaltung der Art unbedingt notwendig ist.
Weil nun aber den männlichen Wesen in der Menschenwelt so wenig Pflichten und Verantwortung der Natur gegenüber blieben, so waren sie frei, anderen Beschäftigungen und Abenteuern nachzugehen. Man definiert den Menschen als das Tier, das Werkzeuge macht. Dies Werkzeugmachen liegt nicht mehr im Plan der Natur. Ja, durch unser Vermögen, Werkzeuge zu machen, sind wir imstande, der Natur Trotz zu bieten. Der männliche Mensch, der den größten Teil seiner Kräfte frei hatte, entwickelte dies Vermögen und wurde furchtbar. So ist es gekommen, daß, wenn auch auf den Gebieten des natürlichen Lebens das Weib noch den Thron behauptet, den die Natur ihr zuerkannt, auf geistigem Gebiet der Mann seine eigene Herrschaft errichtet und ausgedehnt hat. Denn zu diesem großen Werk brauchte er Bewegungsfreiheit und innere Ungebundenheit.
Der Mann machte sich diese verhältnismäßige Freiheit von physischer und seelischer Gebundenheit zunutze und ging unbelastet an die Erweiterung seines Lebensgebiets. Hierbei beschritt er den gefahrvollen Weg gewaltsamer Umwälzungen und Zerstörungen. Immer wieder wurde von Zeit zu Zeit alles, was er mit großem Fleiß angehäuft, hinweggefegt und der Strom des Fortschritts an der Quelle verschüttet. Und wenn auch der Gewinn beträchtlich war, so war im Vergleich damit der Verlust noch ungeheurer, besonders wenn man bedenkt, daß mit dem Wohlstand eines Volks oft auch seine Geschichte unterging. Aus diesen wiederholten Katastrophen hat der Mensch die Wahrheit gelernt, wenn er sie sich auch noch nicht völlig zunutze gemacht hat, daß er bei allem, was er schafft, das sittliche Gleichmaß wahren muß, wenn sein Werk nicht untergehen soll; daß ein bloßes unbegrenztes Anhäufen von Macht nicht zu wahrem Fortschritt führt; daß Ebenmaß des Baues und Harmonie mit seiner Basis zu wirklichem Gedeihen nötig sind.
Dies Ideal der Festigkeit und Dauerhaftigkeit ist in der Natur der Frau tief gegründet. Es macht ihr niemals Freude, nur immer weiterzueilen und dabei Pfeile eitler Neugierde mitten ins Dunkel hinein zu schießen. Sie wirkt instinktiv mit allen ihren Kräften dahin, die Dinge zu einer gewissen Vollendung zu bringen, — denn das ist das Gesetz des Lebens. Wenn auch in der Bewegung des Lebens nichts endgültig ist, so ist doch jeder Schritt desselben ein vollständiges rhythmisches Ganze. Selbst die Knospe hat ihr Ideal vollkommener Rundung, ebenso die Blume und die Frucht. Aber ein unvollendetes Gebäude hat nicht das Ideal der Ganzheit in sich. Wenn es sich daher unbegrenzt immer weiter ausdehnt, so wächst es über sein Maß hinaus und verliert das Gleichgewicht. Die männlichen Schöpfungen intellektueller Kultur sind babylonische Türme, sie wagen es, ihrer Basis zu trotzen, und stürzen daher immer wieder ein. So wächst die Menschheitsgeschichte auf Trümmerschichten empor, es ist kein ruhig fortschreitendes Wachsen unmittelbar aus der mütterlichen Erde. Der gegenwärtige Krieg gibt ein Bild davon. Die wirtschaftlichen und politischen Organisationen, die nur mechanische Kraft darstellen, die aus dem Intellekt geboren ist, sind geneigt zu vergessen, daß ihr Schwerpunkt in dem Mutterboden des Lebens liegen muß. Die Gier, Macht und Besitz anzuhäufen, die ihr Ziel niemals vollständig erreichen kann, die nicht im Einklang steht mit dem Ideal sittlicher und geistiger Vollkommenheit, muß schließlich mit eigener Hand ihren schwerfälligen Bau einreißen.