Weil die Männer so riesige und ungeheuerliche Organisationen zustande gebracht haben, sind sie zu dem Glauben gekommen, daß diese Macht, andere zu verdrängen, ein Zeichen von Größe und Vollkommenheit sei. Dieser Glaube hat bei ihnen so fest Wurzel geschlagen, daß sie schwer die Unwahrheit ihres gegenwärtigen Fortschrittsideals erkennen werden.
Aber die Frau kann mit ihrem unverfälschten Gefühl und mit der ganzen Kraft ihrer Menschenliebe an diese neue Aufgabe, eine geistige Kultur aufzubauen, gehen, wenn sie sich nur einmal ihrer Verantwortlichkeit bewußt wird; denn freilich, wenn sie oberflächlich und kurzsichtig ist, wird sie ihre Mission verfehlen. Und gerade weil die Frau von dem Mann beiseite gedrängt war und gewissermaßen im Dunkel lebte, wird ihr jetzt in der kommenden Kultur volle Entschädigung werden.
Und jene menschlichen Wesen, die sich ihrer Macht rühmen und mit ihrer Ausbeutung nirgends haltmachen wollen, die den Glauben an den wahren Sinn der Lehre ihres Herrn und Meisters, daß die Friedfertigen das Erdreich besitzen sollen, verloren haben, sie werden in der nächsten Lebensgeneration zuschanden werden. Es wird ihnen ergehen, wie es in den alten, vorgeschichtlichen Zeiten den großen Ungeheuern, den Mammuts und den Dinosauriern erging. Sie haben ihr Erbe auf dieser Welt verloren. Sie hatten Riesenmuskeln für ungeheure körperliche Leistungen, aber sie mußten Geschöpfen weichen, die weit schwächere Muskeln hatten und weit weniger Raum einnahmen. Und so werden auch in der kommenden Kulturperiode die Frauen, die schwächeren Geschöpfe — schwächer wenigstens nach ihrer äußeren Erscheinung —, die weniger muskulös sind und immer zurückstanden, immer im Schatten dieser großen Geschöpfe, der Männer, lebten, ihren Platz einnehmen, und jene größeren Geschöpfe werden ihnen weichen müssen.
FUSSNOTEN:
[ [1] Edward Robert Bulwer-Lytton, Sohn des Dichters Edward Bulwer und selbst Dichter, 1876-80 Vizekönig von Indien.
[ [2] pers. durbār oder darbār, Audienz, öffentlicher Empfang der mongolischen Fürsten.
[ [3] Taittiriya — Upaniṣad 2, 7, 1.
[ [4] Kabīr, einer der Begründer der neueren indischen Mystik, Sohn eines armen muhammedanischen Webers in Benares, lebte von etwa 1440 bis 1518. Ein Schüler Rāmānandas, verkündete er seine Religion der Gottesliebe, in der indische und muhammedanische Vorstellungen zusammenflossen, wurde von beiden Lagern als Ketzer verfolgt und schließlich 1495 aus Benares verbannt. Seine Lieder wurden aus schriftlichen Quellen und mündlicher Überlieferung von Kshiti Mohan Sen, einem Lehrer an Tagores Schule, gesammelt und in vier Bänden herausgegeben. Danach hat der Dichter selbst eine Auswahl ins Englische übertragen: Songs of Kabir. Translated by Rabindranath Tagore. London 1915. Kabir pflegt seine Lieder zu zeichnen, indem er am Anfang der letzten Strophe seinen Namen nennt (vgl. S. 89). — Die angeführte Stelle aus XVII, p. 62 f.