Ich sehe ihn noch mitten zwischen Bergen geschnittener Scheite. Ich höre bei jedem Niedersausen der Axt oder des eisernen Fäustels ein hechelndes »hach, hach!« Und höre das knatternde Auseinanderbersten knorriger Stuken. Ein gottverdammter Fluch folgt, wenn die Keile nicht anziehen wollen und sich festbeißen in widerspenstigen Wurzelknorren.

Von Zeit zu Zeit wendete er den Kopf zur Seite.

Prtsch! gings dann.

Das Priemen war des Alten einzige Leidenschaft. Das »Priemelbichsel« in seiner Westentasche, das so harzig war wie die Weste selbst, bildete sein Heiligtum. Er hätte es nicht missen können. Wenn er in die Westentasche griff, das einstige Pomadenbüchslein hervorzog und mühsam ein Endchen von der schwarzen Rolle abbiß, ging ein Behagen über sein Gesicht. »Wos muß der Mensch han!« Prtsch! Eher konnte er schon auf den Branntweinbuddel verzichten, den er heimlich in der Holzbanse versteckte. Von Zeit zu Zeit, wenn die Kehle zu trocken war vom Holzstaub, – und Holzhacker haben gemeinhin trockene Kehlen, – tat er einen geschämigen Schluck. Er vermißte den Nordhäuser nicht. Aber alle Vierteljahr einmal wurde der Alte schwach. Dann blitzten die kleinen schwarzen Augen noch feuriger unter dem Schirm seiner Baschlikmütze her. Das waren die Stunden, wo der Alte gern einmal wieder Parademarsch machte und sein Herz wieder jung wurde …

Dies gute, treue Herz, das so lebensfrisch klopfte in der invaliden Bergmannsbrust: »Junge, ich, – ich schterb noch lange net!«

Und ist doch bald gestorben.

Als ich von seinem Tod erfuhr, war ich in der Fremde. Die Nachricht zerriß etwas in mir. Das blutete und schmerzte. Ich floh die Enge gleichgültiger Menschen. Auf einer Waldhöhe fand ich mich wieder. Einsamkeit war um mich her. In duftblauer Ferne weit hinten lagen die Harzheimatberge.

In der Stunde, wo sie meinen alten Freund zu Grabe trugen, habe ich seinen Namen in die Rinde einer Wetterbuche geschnitzt … Fremder ist mir die Fremde nur noch einmal gewesen: als man im Maienmond darauf auch meinen Vater begraben hatte.