Unmittelbar vor uns öffnete sich ein schmaler Durchgang zwischen zwei, durch das brandende und wirbelnde Spiel der Wogen drohend erscheinenden aber ungefährlichen Sandbänken, welcher Durchgang den Eingang in den kleinen, jedem Schiffe durch seinen tiefen und günstigen Ankergrund sicheren Hafen von Honolulu bildet.
Zahlreiche Dampfer lagen vor Anker in der Rhede, an dem Werft oder am Quai. Es sind Amerikaner, Engländer, Franzosen, Deutsche und Russen, deren nationale Farben sich entfalten. Ausserdem liegen daselbst einige Segelschiffe unter Deutscher Flagge, die zwei Hawaii-Dampfer, die „Likelíke“, der „Kilauéa“ und zahlreiche kleine wie auch grosse Schooner, kleine Fahrzeuge, die den Handels- und Passagier-Verkehr der Inseln bewerkstelligen. Ausser den benannten liegen auch zwei düstere Walfischfänger-Schiffe vor Anker mit ihren charakteristischen Ausrüstungen und ihren ausgenutzten, fetten Seitenwänden, die den sprechendsten Beweis der gewaltigen Kraft und Schwere der erlegten Thiere zeigen.
Ueber den Hafen hinweg lag, wie schon erwähnt, die wie im dunklen Grün versunkene, theilweise noch im festen Schlafe sich befindende gemüthliche Residenz und Hauptstadt des Inselreiches von Hawaii, das schattige, liebliche Honolulu.
Dicht am Quai oder dicht an dem Ufer der Bucht befinden sich die massiven Magazine und Speicher des Zollamtes, die gewaltigen Handelsgebäude der Firma „Hackfield & Co.“, die Schuppen und verdeckten Einrichtungen der Officien und Bureaus der Werfte verschiedener Dampfschiff-Compagnien, Kohlenlager, Holzstapelplätze, Bretter- und Balkenlager, Schober u. s. w.
Ueber diesen Wirrwarr einer etwas eingeengten Einrichtung des Handels einer Handelsstadt hinweg erblickte man die meist einstöckigen, von schattigen Bäumen umgebenen Häuser der Stadt, aus deren Mitte sich einzelne Kirchthürme erheben.
Die römisch-katholische Kirche läutete gerade mit hellem Klang zur Frühmesse und belebte das ganze Bild, welches durch Lage, Beleuchtung oder üppige Vegetation ein reizendes zu nennen ist.
Weiter vor uns, über die Stadt, über Palmen, Cedern, Mango’s, Cypressen, Akazien, Orangen u. s. w. hinweg trifft das Auge die früher erwähnte Gebirgskette, die nördlich die Insel zum Vortheil von Honolulu in zwei unregelmässige Theile theilt.
Es zeigt sich diese Kette entweder in dunklem oder stellenweise hellem Grün eines üppigen Graswuchses oder in goldglänzendem Schimmer der von Gras oder Vegetation entblössten Stellen, die steil und an Geröll reich sind.
Diese Gebirgskette ist es, die Honolulu die ihr so unvergleichliche klimatische Gleichmässigkeit in der Temperatur giebt, da es den südlichen grösseren Theil der Insel vor den vom Norden kommenden Passatwinden schützt.
Diese Gebirgskette ist reich an Thälern und Schluchten, unter denen das lieblichste das schattige „Nuúanú“-Thal ist. Dieses Thal ist 6 Meilen lang und bietet durch die in demselben gelegenen, schmucken Villen, durch das königliche Mausoleum, sowie durch die Sommerresidenz des Königs in schöner Parkanlage und endlich durch seine üppige Vegetation einen unvergesslichen Reiz.