Unmittelbar am Fusse des Kraters befinden sich noch zwei andere Vertiefungen früherer Nebenkrater, die mit Wasser gefüllt, kleine fischreiche Teiche bilden, die der Landschaft einen lieblichen und eigenthümlichen Anstrich geben, da die Insel keine Seen hat.

Auf der Höhe dieses Kegels, unmittelbar an der Kratervertiefung erhebt sich eine Flaggenstange, vor der in Reih’ und Glied eine Batterie diverser Geschütze verschiedensten Kalibers und verschiedenartigster Nationalität, mit ihren Läufen auf die Stadt und den Hafen gerichtet, stehen. Wenn die Brauchbarkeit derselben eine bessere wäre, so wäre die Lage derselben eine ausserordentliche zur Vertheidigung des Hafens und würden einen ernsteren Eindruck machen, während der jetzige Zustand der Batterie zufolge der grellen Verschiedenheit ihrer Geschütze einen lächerlichen macht.

Die Umgebung des Kegels, namentlich in südlicher Richtung der Diamantfelsenspitze zu, besteht — als Gegensatz zum üppigen Nuúanú-Thale und den lieblichen Gestaden von Waikiki — aus einer Ebene, die theilweise sandig theilweise mit altverwitterter Lava oder mit Gneiss-, Granit-, Kalkstein, Muschelstein und versteinertem Lava-Geröll überdeckt ist und auf der nur hin und wieder krüppeliges Gestrüpp, Dracenen, Cactusse, Disteln und das sogen. „pili“-Gras stellenweise wächst und eine höchst geeignete Strecke für ein Schlachtfeld bietet. Es werden auch auf derselben die Pferderennen, die kleinen Manöver der Hawaii’schen Armee und hin und wieder auch die der ausländischen Kriegsschiffe abgehalten.

Nach zurückgelegten 4 Meilen von der Stadt mit oftmaligen prachtvollen Rückblicken auf Honolulu erreicht man das sogen. „Half-Way“-Haus des Mr. Arčia, eines liebenswürdigen, höchst unterrichteten, alten Herrn, der hier eine Temperenz-Restauration mit guter Küche hält.

Nach weiteren zurückgelegten 2 Meilen von Mr. Arčia aus oder in Summa zurückgelegten 6 engl. Meilen durch das Thal, stets steigend, verengt sich dasselbe auffallend plötzlich zu einer engen Schlucht und die Vegetation nimmt mit allmählig steiler werdenden Seitenwänden ab, bis dieselben in kahle Felswände vulkanischen Charakters übergehen.

Hier beginnt das Geröll von Gneiss, porösem Granit, Basalt, Kalk-, Korallen- und Muschelstein im wildesten Durcheinander zuzunehmen, bis die Schlucht auf einer Höhe von 1200′ überraschend plötzlich aufhört.

Hier entfaltet sich ein schöner freier Blick rückwärts über den südlichen Theil der Insel und vorwärts über die sichelförmige Ebene des nördlichen Theiles derselben und nach rechts und links über den dürren, wildzerissenen Kamm des Gebirges.

Unmittelbar vor Einem liegt ein tiefer Abgrund, der die fürchterliche Stelle bildet, wo 1794 Kamehámehá I., der Grosse, seine verbündeten Feinde, den König Kuakili von Oahú, und Kaéo, König der Insel Kauai, fechtend eingedrängt und dieselben gezwungen hatte, sich mit ihren Schaaren in den 1200′ tiefen Abgrund zu stürzen, wo sämmtliche den Tod ohne Ausnahme fanden und in Folge dessen Kamehámehá I., Besitzer der Insel Oahú wurde. Noch sieht man Unmassen von Knochen der Verunglückten am Fusse des Abgrundes.

Von dieser Höhe, dem sogen. „Pali“-Pass, führte früher nur ein gefährlicher, schmaler, höchst beschwerlicher Steig zur nördlichen Seite der Insel hinab, jetzt jedoch ist eine von Sträflingen meisterhaft im Zickzack in den Felsen eingehauene, jedoch schmale Niedersteigung für Reiter vorhanden, die bei hellem Tage mit sicherem Pferde ungefährlich zu passiren ist, denn es sollen sogar am Tage leichte Einspänner den Weg gewagt haben — ein Wagniss, welches unzweifelhaft gefährlich und nicht anzurathen ist.

Den meist schwindelerregenden, oft recht glatten Zickzackweg hinabsteigend, bei vollster Sicht über die nördliche Seite der Insel und auf den glänzenden Ocean, gelangt man zur Ebene, und, über dieselbe circa 8 engl. Meilen schreitend, erreicht man den Hafenort Káneohé.